Urwald, Varane und Snake Island

Dezember 9, 2009

Am letzten Freitag starteten Tobi, Stefan und ich nach Palawan. Von Manila gibt es da eine gute Flugverbindung nach Puerto Princessa. Nach nur einer Stunde in der Luft erreichten wir auch schon die Stadt, in der ein halbdeutscher Bürgermeister sich dafür einsetzt, dass die Straßen sauber bleiben.

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Als wir ankamen, war es jedoch schon dunkel. Das erste Quartier in unserem Reiseführer war voll. Wir marschierten also durch dunkle Seitenstraßen, die plötzlich voll von Menschen waren. Alles schien sich hier auf dem kleinen Stückchen Asphalt zwischen zwei Häuserfronten abzuspielen und wir mitten drin. Als wir uns schließlich zu einer zweiten Unterkunft durchfragten, hatte dies dann auch kein Platz für uns.

Aber die Besitzerin telefonierte freundlicherweise weitere Übernachtungsmöglichkeiten durch und schließlich fand sie ein kleine, günstiges Hotel. Am Abend besuchten wir den Weihnachtsmarkt am sogenannten Baywalk mit dem größten „Weihnachtsbaum“der Philippinen. Natürlich bestand er aus einem Metallgerippe, aber wenigstens ein bisschen Heimat für uns.

Am nächsten Morgen ließen wir uns zum Busbahnhof bringen, um nach Sabang zu gelangen.Den ersten Bus verpassten wir knapp, so dass wir gut anderthalb Stunden warten mussten. Während wir im Bus saßen, boten die Verkäufer wieder ihre kulinarischen Kostbarkeiten, Sonnenbrillen unUhren an. Diesmal hätten wir auch eine Machete für 200 Peso (nicht ganz 3€) kaufen können. Aber wir hatten so unsere Bedenken wegen des Rückfluges…

Kurz vor Abfahrt beluden ein paar Männer noch das Dach mit allen möglichen Sachen wie (Bananen, Reis, Fahrrädern, Wasser, Kisten usw.) Ich wollte mir nicht vorstellen,wie hoch der Berg an gestapelten Waren über meinem Kopf wohl sein mochte. Kurzvor Abfahrt fülltesich der Bus noch bis auf den letzten Platz. Auf dem Sitz neben mit nahmen eine Frau mit Kind und ein Mann mit seiner Henne Platz. Nach einem kurzen Tankstop begann die Reise über die erst vor kurzem ausgebaute Straße. Immer wieder hielt der Bus, um etwas von seiner Dachfracht irgendwo am Straßenrand abzuladen. Auch Briefe wurde in Einfahrten geschmissen.

Dann hielt der Bus plötzlich an einem kleinen Häuschen.In einer Seelenruhe kam eine Frau heraus spaziert. Der Kassierer gab ihr etwas Geld und die Frau verschwand mit dergleichen Seelenruhe mit der sie aufgetaucht war, wieder in ihrem Haus. Nach einer gefühlten Ewigkeit tauchtesie wieder auf und gab etwas Wechselgeld heraus.Erst daraufhin, begannen einigen Männer eine riesige Rolle auf das Dach zu ziehen.

Als wir Sabang erreichten, war es schon Nachmittag.Wir beschlossen, die Wanderung durch den Dschungel zum Undergroundriver erst am nächsten Morgen auf uns zu nehmen.Angesichts der Temperaturen von über 30 Grad wohl eine nachvollziehbare Entscheidung.

Am nächsten Morgen brachen wir dann auch schon gegen 6 auf, um nach ungefähr zweieinhalb Stunden durch den Dschungel (wir wählten den sogenannten Monkey Trail) die Ranger Station am Underground River zu erreichen. Mit dem Boot ging es dann in die Höhle.Zahlreiche Fledermäuse bewohnten die Decken der Grotte. Besonders beeindrucken ist eine Stelle in der Höhle, in der die Decke über 60 Meter über einem liegt. Man fühlt sich wie in einer riesigen „Kathedrale“.

Nach gut einer dreiviertel Stunde in kühlerDunkelheit fanden wir uns am Höhleneingang und somit in der philippinischen Realität wieder: Über 30 Grad und hohe Luftfeuchitgkeit. Dennoch wollten wir uns das Geldfür das Boot sparen und wanderten wieder zurück. Dabei lief der Schweiß nur so in Strömen, aber die Begegnung mit frei lebenden Varanen entschädigte dafür absolut. Nach nur zwei Stunden durch den Dschungel erreichten wir schon den Strand und ließen uns erstmal ins lauwarme Nass fallen. Das war zwar keine richtige Erfrischung, aber trotzdem OK. Zurück nach Puerto Pricessa wurde uns ein Van (nur für uns 3 angeboten). Da lehnten wir natürlich nicht ab, zumal der Preis dem Buspreis entsprach. Eigentich viel zu schön um war zu sein…War es dann auch. Nach einem Kilometer meinte der Fahrer: „Oh, I forgot something!“, und wendete. Tobi meinte noch scherzhaft zu mir: „Ja,20 Leute und einen Hahn!“ – Wir machen über solche Sachen zukünftig keine Scherze mehr.

Zurück im Ort empfing uns eine Menschen menge, die unmöglich in diesem Van Platz finden würde. Dennoch versuchten sie sich hinein zu zwängen. Letztendlich sahen sie ein, dass einfach nicht möglich war und nur ein Teil von ihnen stieg zu.

Nach gut anderthalb Stunden waren wir wieder zurück in Puerto Princessa und suchten wieder unser altes Hotel auf. Die Leute dort schienen uns zu erwarten. Das Zustellbett stand noch im Raum und selbst die Seife war noch die Gleiche ;-)

Am Montag starteten wir in die Honda Bay zum Island Hopping. Allerdings fand ich dies Tour nicht so faszinierend, da alles sehr touristisch aufgezogen war. Zehn Boot karten alle Touris von einer Insel zur nächsten. Abenteuerfaktor = Null. Und Snake Island, die angeblich schönste Insle der Honda Bay war auch nur ein Streifen Sand im Meer. Interessant war, dass selbst dieser ca.30 Meter breite und 4 Kilometer lange Landstreifen auch von Menschen bewohnt wurde. Das Einzige, was es außer Sand auf der Insel gab, war ein Mangrovenwald. Die Schnorchelgänge in den Riffs waren wegen der Wellen und der Nesselungen durch das Plankton auch kein Genuss. Aber es gab zahlreiche Fische, die keine Angst vor uns zu haben schienen und uns in riesigen Schwären um uns kreisten.

Zurück in Manila kreisen jetzt erstmal wieder ein paar Hausaufgaben um mich herum, die erledigt werden wollen. In der nächsten Woche werde ich deshalb auch mal in Manila bleiben.Vielleicht besuchen wir dann mal den alten Stadtkern Intramuros.


Motorradtour auf Romblon Island

Dezember 1, 2009

Am letzten Wochenende brach ich gemeinsam mit Coco, einer netten Französin, auf Romblon Island zu erkunden. Allerdings war die Anreise mit einigen Hindernissen verbunden.

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Da am Montag Feiertag auf den Philippinen war, war die Straße zur Hafenstadt Batangas vollkommen verstopft und wir brauchten fast vier Stunden für die Strecke von etwa 70 Kilometern. Als wir dann kurz vor der planmäßigen Abfahrtszeit am Hafen eintrafen, rannten wir zum Ticketschalter, wo man uns mitteilte, das nächste Schiff nach Romblon gehe am Samstag. Heute wäre nur das benachbarte Tablas Island möglich. Wir hatten uns allerdings nicht getäuscht und legten auch den Ausdruck von der Website vor, worauf die Frau am Schalter auch nichts weiter sagte, außer dass uns ja eh keine Alternative blieb. Also zwei Tickets für die falsche Insel in der Tasche ging es auf die Reise.

Auf dem Boot kamen wir gleich mit einer philippinischen Familie ins Gespräch, die uns erst mit Essen versorgten und als ich sagte, dass ich Deutscher bin, wurden auch schon die Familienfotos herausgeholt, da ihre Tochter einen Deutschen Freund hatte, der noch dazu aussah wie ich (ihrer Meinung nach ;-) . Gegen 3 Uhr morgens standen wir also in dem Örtchen Odiogan auf der falschen Insel. Aber nach einer 2-Stunden – „Busfahrt“ durch den Dschungel kamen wir in St. Agustin an. Von dort nahmen wir die Fähre nach Romblon. Gegen 8:00 Uhr betraten wir dann auch die richtige Insel. Nach einem Frühstück im Dehli-Café, indem wir den Besitzer David trafen, hatten wir dann auch eine Karte und ein Motorrad zur Verfügung. Als erstes suchten wir uns unser Quartier außerhalb der Stadt in einem Bugalow Beach Ressort. Dort luden wir unsere Rucksäcke ab und starteten unser Inselexpedition.

Einige Kilometer hinter der Stadtgrenze wich der Asphalt einem groben Schotter, der nur wenig an Straße erinnerte. Touristen waren hier keine unterwegs. Geschätzet 500 Mal sagten wir an diesem Tag „Hello“. Die Einheimischen waren sehr freundlich. Ich mit ein paar Kids Basketball auf einen selbstgebauten Korb, der an eine Palme geschraubt war (seht ihr auf den Fotos). Dafür dass der Ball gerade so durch den Ring passte, trafen sie erstaunlich gut.

Romblon ist sehr berühmt für seinen Marmor, der auch nach Übersee exportiert wird. Wir besuchten auch die Fabriken im Abbaugebiet und schauten den Männern zu, die den Marmor schnitten und den Frauen, die ihn mit schönen Verzierungen versahen. Bei den Temperaturen eine schweißtreibende Angelegenheit!

Als wir einmal in einem Dorf anhielten und mit einem kleinen Mädel spielten, waren wir plötzlich von einer Schar Kinder umgeben. Sie fanden es total lustig, sich selbst in dem Display des Fotoapparats zu sehen und wollten uns nicht so recht gehen lassen. Am Nachmittag machten wir noch einen kleinen Abstecher von der „Hauptstraße“ und besuchten ein Freibad mitten im Dschungel, von dem uns David, der Besitzer des Dehli-Cafés erzählt hatte. „Sensationell“ umschreibt das Ganze am besten! Nach diesem interessanten Abstecher beendeten wir die 40 Kilometer lange Rundreise und kehrten nach Romblon City zurück. Dort gab es dann ein Abendessen auf dem Plaza-Hotel über den Dächern der Stadt.

Auf dem Weg in die Bungalow-Siedlung durchquerten wir noch ein Dorf, in dem eine Art Tanzspektakel stattfand. Dabei handelte es sich offenbar um eine Mischung aus Kampfsport und Tanz, die die Kinder dort praktizierten. Das ganze Dorf war hier versammelt. Erst als plötzlich alle unter einem Dach Schutz vor dem offenbar beginnenden Regenguss suchten, brachen auch wir wieder auf, da ein Schotterweg im Gewitter sicher kein Vergnügen gewesen wäre.

Nach dem Sonntagsfrühstück ließen wir uns noch von einem Einheimischen auf eine vorgelagerte Insel schippern, um dort noch ein wenig am Strand abzumatten. Leider war das Wochenende damit dann auch schon vorbei. Als wir unsere im Café abgestellten Sachen abholten und fragten, wann denn das Schiff den Hafen verlasse, bekamen wir zur Antwort:“Jetzt!“ Mit Rucksäcken beladen rannten wir zum Hafengelände. Die nächste Chance, auf direktem Wege von der Insel zu kommen, wäre zwei Tage später gewesen. Am Ticketschalter wurden wir beruhigt, Das Schiff verlasse erst in einer Stunde den Hafen, sagte ein Angestellter. Dann wurde er jedoch gleich von seiner Kollegin korrigiert, dass es schon in einer halben Stunde starte. Wir wollten es nicht darauf ankommen lassen, kauften schnell noch Wasser und Snacks und machten uns auf das Schiff. Bei philippinischen Zeitangaben muss man mitunter etwas vorsichtig sein.

Am nächsten Morgen um 4 Uhr waren wir zurück in Batangas und pünktlich zum Sonnenaufgang schließlich zurück in Manila. Auch wenn An- und Abreise per Boot etwas stressig waren, hat sich der Ausflug voll und ganz gelohnt. Das war sicherlich auch nicht der letzte Abstecher auf die Romblon Inseln. Besonders die wenigen Touristen und die phantastische Landschaft entschädigten für An- und Abreisestrapazen. Am nächsten Wochenende geht es höchstwahrscheinlich für vier Tage (diesmal allerdings mit Flugzeug) nach Palawan.


Ausflug in die verlassene Bucht

November 24, 2009

Wie lebt es sich ohne fließendes Wasser und Strom aus der Dose? Am letzten Wochenende entflohen wir erneut der Megametropole Manila in Richtung Norden, um genau das zu erleben.

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Zunächst nahmen wir einen Bus von Manila (Cubao) in Richtung Angeles. Den„Reiseleiter“ spielte diesmal unser Kumpel Roy alias Ron. Als Einheimischer wusste er bestens bescheid und unsere 11-köpfige Truppe konnte sich ihm vollkommen anvertrauen. In Angeles, dem ersten Zwischenstop, besuchten wir nach natürlich den berühmten Rotlichtbezirk. So etwas habe ich mein Leben noch nicht gesehen.

Nach einschlägigen Aufforderungen netter Mädels zum Verweilen, entschieden wir uns für „Antlantis“ – einen ziemlich beliebten Nachtclub. Unglaublich – als wir den Schuppen betraten, kam ich mir vor wie in einem riesigen Zirkus. Nur dass in der Manege keine Zauberer, Artistern oder Tiere umherliefen, sondern leicht bekleidetete mit Nummern versehene Mädchen tanzten. Wir bekamen eine Platz auf einem Balkon zugewiesen und beobachteten das zwiespältige Treiben. Einigen der Frauen stand ihre Minderjährigkeit förmlich ins Gesicht geschrieben. Unter den Gästen waren viele weiße Grauköpfe, die sich die jungen Mädels an den Tisch bestellten. Dazu holte die Kellnerin einen Laserpointer aus der Tasche und leuchtete das entsprechende Girl an. Das wusste dann sofort bescheid, wohin es musste.

Auf dem Sofa neben uns vergnügte sich ein alter Mann mit einem jungen Ding. Als ich hinüber schaute streifte ich den Blick des Mädels und entdeckte in den Augen etwas, das sagte: „Ich hab mir das hier nicht rausgesucht! Ich brauche einfach das Geld.“ Irgendwie ist es schon ganz schön ekelhaft, wie sich die „Reichen“ hier ausleben. So warf eine Gruppe von Gästen den tanzenden Mädels in der Manege Geldscheine zu. Es entbrannte ein regelrechter Kampf um das Geld, gleich einem Schwarm Tauben, den man ein paar Brotstücke zuwirft. Ein absolut überhebliches Auftreten!

Gegen halb zwei verließen wir die die Kneipenmeile, besorgten uns in einem Supermarkt Proviant für die einsame Bucht und nahmen ein Jeepney zurück zum Busbahnhof. Als wir dort warteten, probierten Anja und Joseph Balut frisch von einem der vielen Stände. Dabei handelt es sich um etwas, das wie ein normales Frühstücksei aussieht. Allerdings ist es nicht von einer Henne, sondern von einer Ente und enthält bereits den Vogelembryo. Es gibt keinen besseren Snack um diese Zeit!

Als wir auf unseren Bus warteten,wurden wir sehr bald von den Kindern umringt, die an der Haltestelle Müll sammelten. Es war nachts halb 3 und die Kinder waren zwischen sieben und und 10.Ihr Bett bestand aus einem Pappkarton, denn sie mit sich herumtrugen.Und dennoch waren sie voller Lebenslust und sehr liebenswert. Sie sind die Veranschaulichung einer Statistik,die besagt, dass fünf Prozent der Filipinos 80% des Landesvermögens besitzen.Ohne Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung bleibt ihnen der der soziale Aufstieg wohl verwehrt.

Nachdem wir uns von den Kids verabschiedet hatten, nahmen wir einen Kleinbus nach ….Nach ungefähr 90 weiteren Fahrtminuten eingepfercht zwischen den eigenen Rucksäcken, heizten wir über die philippinischen Landstraßen. Als wir San Antonio erreichten, war es noch stockdunkel. Dennoch wurden wir, kaum ausgestiegen, schon von einem Dutzennd Einheimischen umringt, die interessiert abwarteten, was passiert. An den Ständen dampften schon wieder oder immer noch die Baluteier und andere kulinarische Köstlichkeiten. Roy sprach kurz mit einigen Einheimischen und wenig später befanden wir elf Leute uns verteilt auf vier Tricycles wieder und fuhren durch Dörfer der Dämmerung und der Küste entgegen. Nach 15 Minuten standen wir im absoluten Nirgenwo am Meer. Es war 5:30 Uhr am Morgen. An der Hütte, an der wir hielten, spielten zwei Jungs Billiard. Ich frage mich mittlerweile, ob Filipinos überhaupt schlafen?

Während wir am Strand auf unser Boot warteten, erhob sich die Sonne hinter den Hügeln. Etwa eine Stunde Bootsfahrt entlang der bergigen Küste später erreichten wir die Bucht, in der wir die nächsten 30 Stunden verbringen würden. Das türkisfarbene Wasser war so flach, dass wir das Boot schon 100 Meter vom Strand verlassen mussten. Die Familie, die an dem Strand hauste, an dem wir anlegten, nahm uns sofort sehr freundlich auf. Sie lebten in einfachen Hütten aus Holz und Stroh. Das Trinkwasser pumpten sie aus dem Boden. Elektrizität gab es keine. Die Toilette war ein umzäuntes Loch. Darin befand sich auch die Dusche.

Ankunft in der einsamen Bucht

Wir schmissen uns als erstes in das Wasser, dass fast Badewannentemperatur hatte. Für eine kleine Abkühlung mussten wir schon ein paar hundert Meter weit rauslaufen! Ja, laufen, denn es war absolut flach! Den ganzen Vormittag über holten wir den ausgelassenen Schlaf der Nacht nach.Dabei wanderte die Sonne aber auch in den ein oder anderen ursprünglich schattigen Schattenplatz, was mir einen schönen Sonnenbrand einbrachte.

Am späten Nachmittag sammelten wir etwas Holz fürs Lagerfeuer. Unsere „Gastgeber“ hatten für uns einige prächtige Fische gefangen. Dazu gab es dann (was sonst?) Reis. Selbst Tobi, der unter normalen Umständen eher anfangen würde Holz zu essen als in ein Tier aus dem Meer zu beißen, aß davon! Und ich bin mir sicher, es schmeckte ihm! Die Nacht verbrachten wir dann am Lagerfeuer und stillten unseren Durst mit unterschiedlichen Destillaten (Wasser war schließlich kostbar und musste gespart werden! ;-) .

Group Picture

Zu später Stunde ging`s dann zum Nach(k)t- Baden ins Meer. Wer sich dabei im Schutz der Dunkelheit wiegte, erlebte unter Wasser dann aber ein faszinierendes Schauspiel. Bei jeder Bewegung der Gliedmaßen im schwarzen Südchinesischen Meer, erleuchtenden hunderte kleiner Sterne im Wasser. Bei kurzem Innehalten verschwanden sie dann jedoch genau so schnell wieder. Wir vermuteten Plankton dahinter. Das hat sich mittlerweile bestätigt. Es handelte sich um kleine einzellige Planktonarten, die Biolumineszenz erzeugen. Der Sinn dahinter ist wohl der, dass wenn Fressfeinde des Planktons in der Nähe sind, die Einzeller zu leuchten beginnen und damit Fische anlocken,die wiederum Fressfeinde der Fressfeinde des Planktons sind. Alles klar!?

Studieren ist in erster Linie Lernen ;-)

Am nächsten Morgen wachte ich dann mit üblen Kreuzschmerzen in einer Hängematte auf. Meine Wirbelsäule hatte wohl über Nacht ihre Form angenommen. Den ganzen Vormittag verbrachte wir in erster Linie mit Rumliegen. Im Anschluss daran wanderten wir noch 15 Minuten zu einem Bergbach. Dort konnten wir uns endlich im nur lauwarmen Wasser ein wenig abkühlen und nebenbei ein wenig über die Steine klettern. Nach dem Mittagessen (Reis spielte wieder eine Hauptrolle) brachen wir dann wieder in Richtung Zivilisation auf. Die Bootsfahrt gestaltete sich angesichts des Wellengangs und dem Gezeche am Vorabend noch einmal als kleine Herausforderung.

Wieder festen Boden unter den Füßen ging es erneut mit dem Tricycle zur Bushaltestelle in San Antonio. Nachdem Roy hier irgendeinen Bus anhielt, fuhren wir dann im Stehen bis – ich weiß nicht wohin – während uns die Klimaanlage zumindest temperaturmäßig nach Europa versetzte. Wie auf jeder Busfahrt lief auch hier wieder ein Gemetzel-Film nach dem anderen. Kurz nach 21:00 Uhr waren hat uns die City wieder. Gern wäre ich noch eine Weile auf der Insel geblieben, aber davon gibt es ja hier noch ein paar, die alle entdeckt werden wollen.

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Ausflug nach Puerto Galera

November 15, 2009

Am letzten Freitag verließen wir zum ersten Mal das Moloch Metro Manila in Richtung Süden.

Boot

mehr Fotos von Puerto Galera

Da wir möglichst viel Zeit am Meer verbringen wollten, starteten wir nach wenig Schlaf bereits drei Uhr morgens. Mit dem Taxi ließen wir uns zur Busstation in Passai fahren,um den Bus nach Batangas zu erwischen. Als uns das Taxi abgesetzt hatte, suchten wir allerdings vergeblich nach dem richtigen Bus. Der Fahrer hatte uns an der falschen Stelle abgesetzt.So standen wir jetzt also nachts kurz vor vier irgendwo in Passai und suchten nach der Abfahrtsstelle für den richtigen Bus. Dabei liefen wir durch sehr dubiose Straßen. Ein ekelhafter Gestank lag in der dicken Luft. In den Gassen glühten einige Brandstellen, Kinder wühlten im Müll und Prostituierte boten ihre Dienste an. Nach einigem hin und her irren und eine weitere Taxifahrt später erreichten wir endlich die richtige Haltestelle und sprangen in den richtigen Bus. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, im Bus etwas im Reiseführer zu blätter. Das verkniff ich mir dann angesichts der Straßen dann doch. Es fühlte sich an, als befänden wir uns im tiefsten Gelände, dabei hatten wir noch nicht einmal die Stadt verlassen.

Auf dem Fernseher lief ein Splatter-Film, den man so in Deutschland nicht im Fernsehen zeigen dürfte. Das Ganze war auch so brachial laut, dass man sich selbst mit Kopfhörern nicht den Geräuschen zersplitternder Knochen und den schmerzverzerrten Schreien der Protagonisten entziehen konnte. Ab und zu stiegen auch noch ein paar Händler zu, die lautstark ihre Waren anpriesen. Von Gebäck über Chips und ….eigentlich verkauften sie alles. Irgendwann gewann die Müdigkeit doch überhand und ich schlief rechtzeitig ein, bevor mir einfallen konnte, dass es Freitag der 13. war. ;-)

Nach etwa zweieinhalb Stunden Fahrt erreichten wir Batangas Port. Dort kämpften wir uns durch eine Armee von Fährbetreibern. Alle wollten uns zu ihrem Schiff schleifen und buhlten so penetrant um unsere Gunst, bzw. unser Geld, dass es schwer fiel, freundlich zu bleiben. Nachdem wir dann das Ticket für 200 Peso erstanden hatten, kamm dann die nächtste Überraschung. Kein Zutritt zum Terminal ohne Terminalticket.Dieses wiederum gab es nicht, ohne Vorlage des Umwelttickets. Also mussten wir noch Mal zwei weitere Tickets pro Person kaufen, die insgesamt jeweils nochmal 50 Peso kosteten. Nachdem wir dann alle notwendigen Papierschnipsel hatten, durften wir das Terminal endlich betreten. Beim durchleuchtenentdeckte der Sicherheitsbeamte mein Taschenmesser. Das war natürlich eine Gefahr für die anderen Fahrgäste. Vielleicht plante ich ja einnen terroristischen Akt? Vielleicht würde ich den Anker kappen? Wer weiß? Jedenfalls musste ich es zurück lassen!

Kurz nach acht waren wir endlich mit dem Boot unterwegs und erreichten nach etwa einer Stunde White Beach in der Nähe von Puerto Galera. Der weiße Strand und die Palmen ließen Manila so weit weg erscheinen. Nach einer kurzen Suche fanden wir eine kleine Hütte direkt am Strand für 700 Peso für uns drei (10€). Wir liehen uns gleich ein paar Taucherbrillen aus und schnorchelten los. Im türkisfarbenen Wasser konnten wir sehr tief blicken. Wir sahen blaue Seesterne Clownfische und eine rucksackgroße Schildkröte, die uns genauso überrascht anblickte, wie wir sie.

Als wir wieder am Festland waren, blätterte ich ein wenig im Reiseführer und las, dass man möglichst ausreichend Bargeld mitnehmen sollte, da es um Bankomaten auf der Insel nicht so gut bestellt war. Wir hatten jeder noch ein paar Peso einstecken. Diese ionvestierten wir in zwei Liter Trinken und brachen bei gleißender Hitze nach Puerto Galera auf. Wir liefen durch viele kleine Dörfer und wurden meist freundlich von den Einheimischen begrüßt. Wahrscheinlich brausen die meisten Europäe, die diese Straße benutzen, in einem Tricycle vorüber und laufen nicht. Nach etwa zwei Stunden erreichten wir Puerto Galera. Nach einer kleinen Pause am Hafen fuhren wir mit dem Tricycle (Premiere für uns) mit. Diese Motoradgespanne fahren auch inn Manila und sogar auf dem Ateneo Campus zu hauf rum. Das Motto bei diesen Gefährten ist das Gleiche wie bei den Jeepneys: Einer mehr kann immer mitfahren. Und so sahen wir Gefährte mit 7-8 Mitfahrern!

Da die Hälfte der Strecke bergauf und der Rest bergab ging, schaltete unser Fahrer auf dem Gipfel den Motor ab und so rollten wir geräuschlos dahin bis zum White Beach. Als wir abends am Strand lang iefen, trafen wir plötzlich unsere französischen Kollegen. Damit stand das gemeinsame Abendprogramm festgelegt. Während wir am Strand saßen, fand hinter uns eine groteske „Lady-Boy“- Tanzshow statt. Wunderschöne Männerfrauen, die in aufreizenden Kleidern ihre Körper präsentierten. Das ganze Treiben wurde von vielen Familien mit großer Begeisterung verfolgt.

Nach einer recht kurzen Nacht, trafen wir uns am Morgen mit den anderen Austauschstudenten zur Kajaktour. Dabei stiegen Tobi und ich in einen Zweisitzer.Doch bereits in der nächsten Bucht stellte sich heraus, dass wir unaufhaltsam sanken, da der Stöpsel für die Hohlkammern schlicht fehlte. Uns blieb nur eine Möglichkeit. Während Tobi allein zurück paddelte, schwamm ich. Gegen die Strömung bereitete uns das einige Problem. Wieder am Strand angekommen, bekamen wir aber nach einer kurzen Diskussion wenigstens unser Geld zurück.

Wenige Stunden später fuhren wir wieder in Manila ein. Für nächstes Wochenende planen wir eine Tour in den Norden zum Mt. Pinatubo, und anschließend gemeinsam mit einemEinheimischen und einer Gruppe von anderen Austauschstudenten an eine entlegene Bucht an der Westküste Luzons.


Jetleg, Hitze und nur mit Schuhen kochen

November 10, 2009

Nach knapp einer Woche im Land der Mangos habe ich endlich mal eine ruhige Minute gefunden, um meine ersten Eindrücke festzuhalten.

Blick vom Balkon

weitere Fotos von Manila

Um hier anzukommen waren insgesamt 5 Stunden in Zügen, 14 Stunden in Flugzeugen und dann nochmal 2 Stunden in einem Taxi nötig. Genug Zeit, um sein natürliches Zeitgefühl zu verlieren. Verlief auf dem Flug von Frankfurt nach Dubai noch alles in geregelten Bahnen, so erwachte ich auf dem anschließenden Flug nach Manila im Dunklen Flugzeug. Welche Tageszeit war es? Wo waren wir? Vor mir stand ein Mahlzeit, aber es hnadelte sich nicht um Frühstück, dass ich eigentlich erwartet hatte. Dann bemerkte ich, dass die Fenster des Flugzueuges fast alle verdunkelt waren, damit die Passagiere den Inhalt ihrer Multimediamonitore erkennen konnten.Ich schob mein Fensterverdeck vorsichtig nach oben und wurde sofort von intensiven Sonnenstrahlen geblendet. Willkomen im Jetleg!

Unter uns war nichts als blaues Meer. Ich hatte irgendwie einen Tag verpasst, aber Tage vergehen wohl auch schneller wenn man  sich mit 900 Kilometern in der Stunde nach Osten bewegt. Auf dem Monitor vor mir ist ein Flugzeug schematisch von oben abgebildet. Daruntere ist alles blau. Nichts als Meer also Plötzlich taucht am linken Bildrand wieder etwas Land auf, aber eher in kleinen Flecken. Das müssen sie sein, die ersten Inseln, die zu den Philippinen zählen.Erwartungsvoll schaue ich nach unten, doch nichts. Jetzt kommt auch aus dem Cockpit die Ansage, dass der Landeanflug beginnt. Wieder blicke ich nach unten, doch immer noch nichts. Laut dem Bildschirm vor mir müssten wir jetzt schon direkt über den Flecken im Wasser sein. Ein erneuter Blick nach unten und tatsächlich ist da auf einmal eine Insel zu sehen. Jeder der schon einmal geflogen ist, kennt die Perspektive. Das ganze kommt dem Blick auf die Landschaft einer Modeleisenbahn sehr nahe Nur das es auf der Insel weder Schienen noch Straßen zu geben schien. Es musste eine der ca.7000 zum Archipel gehörenden Inseln sein, von denen nur die wenigsten bewohnt sind. Plötzlich tauchten weitere auf. Zwischen ihnen waren kleine Fischerboote auszumachen.

Plötzlich wichen die das Wasser unter uns einer Landschaft aus Hütten,Häusern und Autos. Wir hatten die Supermetropele – das Moloch Manila erreicht.

Die Einreise verlief reibungslos.Nachdem man uns mit einer Wärmebildkamera durchleuchtet hatte,  und wir unser Gepäck heil wiederfanden, konnten wir einreisen in unsere neue Heimat für die nächsten Monate.

Als wir das klimatisierte Flughafengebäude verließen, um uns ein Taxi zu suchen, kam uns ein Schwall tropischer Luft entgegen. Sofort umgab uns eine feuchte Hitze, obwohl keine Sonne schien. Als wir  dann mit verschwitzen T-Shirt ins Taxi stiegen, ging es von einem ins andere Extrem. Die Klimaanlage verwandelte die Fahrzeuginnenraum in einen Kühlschrank. Was wir erst als angenehm empfanden, wurde später noch richtig kalt. Die Vorstellung, dass wir nicht so lange im Auto unterwegs sein würden, erwies sich im Feierabendverkehr einer Stadt mit ca. 18 Mio Einwohnern als sehr optimistisch. Nach ca.2 Stunden voller Hupen, Drängeln und Gas geben und Bremsen erreichten wir schließlich unser Hostel. Ich habe dieses Jahr ja schon osteuropäischen Straßenverkehr erlebt, aber das, was wir hier erlebten, übertraf alles! Hier regiert das Recht des lauteren. Auf einer 3-spurigen Hauptstraße rollte eine Blechlawine aus Autos, LKWs, Mopeds, Jepneys in 10er- Reihen nebeneinander. Wer blinkt hat keine Chance – nur wer hupt und Gas gibt, kommt voran.

Nach der nervenaufreibenden Taxifahrt waren wir einfach nur froh, endlich das Hostel erreicht zu haben.  Dort trafen wir Tobi, der schon seit einigen Wochen durch Südostasien getourt war.

Viel Zeit zum Durchatmen blieb uns nicht. Nach einem kleinen Abstecher in die Straßen von Quezon City (Name unseres Stadtteils), kamen wir dann gegen vier ins Bett.

Nachdem wir dann den Rest der Woche in einem Hostel verbracht haben, leben wir seit Sonntag in unserer eigenen Wohnung mit einem herrlichen Blick über den Campus der Ateneo de Manila University. Die Zeitumstellung und die tropischen Temperaturen hat unser Körper aber immer noch nicht verstanden. Selbst, wenn wir nicht ausgehen, kommen wir selten vor um drei morgens ins Bett.

Da wir das hier verbreitete American Junkfood hing uns schon nach ein paar Tagen zum Hals raus. Als wir das erstemal selbst kochten, entpuppte sich das auch als Abenteuer. Als Tobi seine Finger ins Wasser  im Topf steckte, durchfuhrihn ein leichtes Kribbeln. Um sicher zu gehen, dass er sich das nicht eingebildet hatte, ließ er mich freundlicherweise auch noch mal probieren. War in etwa was Gefühl, als wenn man an einen Weidezaun fasst! Am nächsten Tag erklärte uns unser Vermieter, dass auf den Philippinen der Strom nicht geerdet ist. Das bedeutet für uns jetzt, nicht mehr barfuß zu kochen ;-)

Am kommenden Wochenende entfliehen wir das erste Mal der Stadt und suchen uns nördlich Manilas eine schöne Insel.

Bis dahin!

Martin



Radlausicker ohne Rad

November 2, 2009

Hallo allerseits!

Nach einigen Fragen, wo denn der Rest des Reiseberichts bleibt, hier nun eine kurze Erklärung.

Da ich jetzt das Rohmaterial für die Videodokumentation durchgesehen habe und in den nächsten Tagen mit dem Schnitt beginnen werde, möchte ich einfach nicht ein und die selbe Geschichte mehrmals erzählen. Also gibt es bis zur Fertigstellung der filmischen Reportage keine weiteren Reiseberichte in Textform.

Auf dieser Seite gibt es weiterhin alle Neuigkeiten rund um den aktuellen Stand. Ich hoffe, dass es am Ende 2009 ein vorzeigbares Ergebnis gibt.

Zum Schluss noch etwas anderes. Ab sofort gibt es auf dieser radlausick-Seite Tagebucheinträge und fotografische Impressionen meiner Philippinen-Tour in einer separaten Kategorie.

Bis dahin!

Euer Martin a.k.a. Radlausicker

 


Trailer online

Oktober 13, 2009


Digitalfotos vs. Dias

Oktober 12, 2009

Manus Diafilm ist entwickelt und die digitalen Abzüge sind auch fertig. Allerdings stelle ich hier erstmal nur einige rein, da erstens die Scans nicht der Qualität der Dias entsprechen und zweitens allen, die sie sehen möchten, die Fotos als Dias präsentiert werden ;-)

Wer Interesse hat, kann mir einfach kurz schreiben oder anrufen oder skypen oder icq-en oder einfach ganz altmodisch vorbeikommen! Dann können wir einen passenden Termin finden.

Bis dahin!


Donautour Teil 3 – Von Passau nach Wien

Oktober 10, 2009

Als wir am Morgen unseres fünften Fahrtages durch unsere kalten Fuse geweckt wurden, waren die Temperaturen so tief gefallen, dass wir glaubten, wir hätten den Wintereinbruch verschlafen. In absoluter Rekordzeit hatten wir unser Zelt weggepackt und uns ohne Frühstück auf die Räder gesetzt. Das lag aber nicht an einem straffen Zeitplan, sondern einzig daran, dass unsere Gliedmaßen unangenehm abkühlten, wenn sie nicht in Bewegung waren. Da der Fahrtwind uns auch in Bewegung nicht recht warm werden ließen, beschlossen wir beim nächsten Bäcker auf die Sonne zu warten. Unsere kalten, tauben Finger umschlossen die heißen Kaffetassen wie einen heiligen Gral. Als wir uns an dem feinen Röstung gelabt hatten, tauchten auch ein paar Sonnenstrahlen auf.

Der Radweg erschien uns unerwartet leer. Wahrscheinlich lag es daran, dass die Hauptsaison schon vorbei war. Zwar trafen wir immer wieder auf Touristengruppen aus Deutschland, Österreich, England und Italien, aber erst ca. 5 km vor Linz füllte sich die Route unangenehm. Einmal wichen wir sogar auf die Straße aus, da ein Radweg an einer leichten Steigung von den Touris regelrecht blockiert wurde ;-)

Bisher hatten wir noch nichts von den uns prophezeiten 28c zu spüren bekommen. Erst während unserer Mittagspause in Linz öffnete sich die Wolkendecke und die Sonne entlud ihre bis dahin zurückgehaltene Energie in einem Zug. Das Wetter schlug von einem ins andere Extrem. Hätten wir am Morgen noch Neuschnee vor unsrem Zelt vermutet, so brannte die Sonne jetzt fast unangenehm heiß auf der Haut. Leider hatten bei unserer Ankunft in Grein schon alle Läden geschlossen, so dass es dann zur Feier des Tages Reis mit Brot gab.

Dafür war die Nacht viel weniger kalt als die vorige. Am nächsten Tag genossen wir unser Frühstück direkt am Donauufer. Dabei zogen wieder Schwärme von Non-Gepäck-Radtouristen an uns vorüber. Am Mittag erreichten wir das Kloster Melk. Seine goldener Schein lässt es weit über die Stadtgrenzen hinaus erstrahlen. Nachdem wir uns von dem offensichtlichen Reichtum der Benediktiner überzeugt hatten, beschlossen wir uns ein geeignetes Plätzchen am Donauufer zu suchen. Wir und unsere Sachen hatten wieder mal eine Berührung mit Wasser nötig.

Als bis zu den Knien im Wasser stand, tauchte urplötzlich ein zügig vorbeifahrendes Passagierschiff auf. Manu musste sich entscheiden, ob er sich weiter ins Wasser wagte oder seinen nackten Adosnis den Besuchern des Sonnendecks präsentierte. Er entschied sich für letzteres. Während das Schiff schon fast vorüber war, stellten wir überrascht fest, wie das Wasser regelrecht sogartig vom Ufer verschwand.Davon beeindruckt, dachte n wir beide allerdings nicht an das zwangsläufig Folgende.

Mit einem Mal brachte eine Welle das verlorene Wasser zurück. Und dazu noch etwas mehr. Mit einem beherzten Sprung griff ich eine Hose, die ich gerade gewaschen hatte. Die übrigen Klamotten und das saubere Geschirr verabschiedete sich allerdings wieder im Uferschlamm! Mein Teller hätte sogar beinahe ohne mich die Reise ans Schwarze Meer fortgesetzt.

Am folgenden Tag erreichten wir über Krems und Tulln endlich Wien. Die letzten Kilometer spendete uns ein älterer Rennradfahrer Windschatten. So rasten wir mit 35 Sachen auf die österreichische Hauptstadt zu. Verdutzt schauten die anderen Radtouristen und Rennradbesitzer, die wir überholten, auf die unstimmige 3er-Konstellation.

In Wien erwartete uns bei meinem guten Freund Tino ein richtiges Bett auf uns. Allerdings verlegten wir den ?Stadtbummel“ auf den nächsten Tag. Wir waren sehr froh darüber, Wien endlich erreicht zu haben, da jetzt endlich unser Abenteuer Osteuropa beginnen konnte und auch sollte.


Donautour Teil 2 – Von Donaueschingen nach Passau

Oktober 6, 2009

Als wir am Morgen unseres ersten Tourtages aufwachten, hatte sich das Gewitter verzogen. Zunächstt suchten wir nach der symbolischen Donauquelle. Leider, so sagte uns ein Mann, sei die Zufahrt gerade eine Baustelle und wir müssten die Räder stehen lassen und die Treppe hinabsteigen. Das kam natürlich nicht in Frage, da die Räder auf dem Startfoto nicht fehlen durften. Wir wollten schließlich nicht die Donau entlang wandern. Wir schleppten als jeder unsere 40kg Fahrrad die Treppe hinunter. Nach einem kräftigenden Schluck aus dem „Quellbecken“ traten wir endlich richtig in die Pedalen. Zunächst querten wir den Nationalpark „Obere Donau“. Beeindruckende Felsformationen hoben sich zu beiden Seiten der Donau empor. Der Radweg führte fernab jeder Straße durch das Tal. So schön der Radweg und die Landschaft auch waren, die Tatsache, dass wir ständig die gleichen Radfahrer überholten und uns unsereseits bei einer Rast von ebendiesen überholen ließen, senkte den Abenteuerfaktor tagsüber gen Null. Erst als es dämmerte und es um die Schlafplatzsuche ging, wurde es wieder spannend.

Am Donauufer gibt es unzählige unberührte Plätze, die sich zum Zelten anbieten. Allerdings befanden wir uns bei Einbruch der Dunkelheit oft in Naturschutz- oder Industriegebieten. Da war schon viel Kreativität gefragt. Einige Male fuhren wir bis es stockdunkel war und suchten uns im Licht der Kopflampen einen Platz zum Zelten. Größtenteils nächtigten wir in unmittelbarer Ufernähe. Am Morgen unseres 5. Tages bemerke neben unserem Zelt mit einer Zahl: „2447,6“. So viele Kilometer müssen es noch zur Mündung sein. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es doch einige Kilometermehr werden würden. An diesem Tag besuchten wir auch das Kloster Weltenburg, dass ich schon von früheren Ausflügen kannten. Währen Manu das Kloster skizzierte, beobachte ich die Szenerie. Je länger ich einfach nur da saß, umso dominanter wurde der Eindruck, die meisten Besucher waren hier nicht wegen des Klosters, sondern wegen des Biergartens:-)

Als wir wenig später Regensburg erreichten, stellten wir gewisse Ähnlichkeiten der bisher durchquerten Städte an der Donau fest. Am 6. Tag wollten wir eigentlich in Österreich einrollen. Allerdings überkamm uns die Dämmerung kurz hinter Passau und so schlugen wir unser Nachtlager hinter einem Maisfeld auf.

Die Temperaturen fielen in den einstelligen Bereich, so dass wir uns selbst im Schlafsack unsere langen Hosen anziehen mussten. Wir hofften, dass die Temperaturen sich auf unserere weiteren Reise nach Südosten stetig wärmer werden würde. Diese Annahme sollte sich noch als Trugschluss erweisen. Nach 5 Tagen Fahrt hatten wir den deutschen Teil der Donau hinter uns gebracht und befanden uns auf der Mainstream-Etappe von Passau nach Wien.