Am vergangenen Wochenende erkundete ich gemeinsam mit Colombé Bohol, eine zu den Visayas gehörige Insel im Süden der Philippinen. Um dort hin zu gelangen, flogen wir am Freitag in aller Frühe (wie immer direkt nach der donnnerstäglichen Party) von Manila nach Cebu City auf Cebu. Mit dem Taxi gings dann weiter zur Bootterminal und anschließend in 1, 5 Stunden nach Tubigon im Nordwesten Bohols. Zwei Busfahrten (via Tagbilaran), einem Kilometer Fußmarsch ca. zwei Stunden später standen wir oberhalb der gefühlten 500 Stufen hohen Treppe, die hinunter zu unser Unterkunft führte. Das „Nuts Huts“- Ressort liegt direkt am Loboc-River mitten in einer von sattem Grün gesäumten Dschungellandschaft.
Angucken allein reicht mir da natürlich nicht aus.Also wenig später ging´s ab ins angenehm frische Flusswasser. Nach einem kurzen Fußmarsch und einer kurzen weiteren Schwimmstrecke erreichten wir einen Wasserfall und ließen uns von den an uns vorbeiströmenden Wasser massieren. An diesem Tag trafen wir auch unseren Uni-Freund Tim, der zufällig auch im gleichen Ressort untergekommen war. Als wir am Abend unsere Hütte betraten, war der Dschungel bereits allgegenwärtig. Ein Gecko klebte direkt über der Eingangstür und wartete auf Beute -Moskitos in diesem Fall. Um uns herum absolute Dunkelheit und am Himmel Sterne, die so hell leuchteten, dass es so schien als reiche ihr Licht volllkommen aus um sich durch die Nacht zu finden. Als wir dann im Bettlagen und schlafen wollten, erwachte der Dschungel erst richtig zum Leben. Frösche, Grillen waren die einzigen Laute, die ich als Europäer richtig zu deuten glaubte. Sie mischten sich in eine riesige Komposition von Geräuschen, die ich noch nie gehört hatte. Vielleicht war es auch das Pärchen in der Hütte nebenan.
Am nächsten Tag gings dann mit dem Motorrad natürlich erstmal zu den Chocolate-Hills, einer sonderbaren Felsformation, die sie über eine riesige Fläche im Zentrum Bohols erstreckt. Deren Entstehung ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Mittagsrast legten wir im gemütlichen Garten einer Schmetterlingsfarm ein. Dort bekamen wir unter anderem Schmetterlinge zu sehen, die halb männlich, halb weiblich waren (in der Fachliteratur als Ladyboy-ling bezeichnet
) Außerdem konnte ich mich davon überzeugen, dass ich die größte auf den Philippinen vorkommende Motte nicht in meinem Schlafzimmer haben möchte. In Loboc besuchten wir eine der ältesten von den Spaniern errichtete Kirchen der Insel. Auf Bohol schloss der spanische Conquistador Miguel López de Legazpi 1556 nach seiner Ankunft auf Boholmit dem Häuptling Datu Sikatuna Blutbruderschaft als Zeichen des Friedens zwischen beiden Völkern.
Am Sonntag führte uns unsere Route zunächst zurück nach Tagbilaran. Dort liehe wir uns erneut ein Motorrad aus. Als wir am Wegesrand ein riesige Menschenansammlung sahen,wurde unser Interesse geweckt. Es war Hahnenkampfzeit. Der Philippino mag Wetten. Vor den Lottoannahmestellen sieht man regelmäßig Schlange von wartenden Leuten. Es gibt nur eins,das er vermeintlich mehr mag als zu wetten – das Wetten auf Hähne, die sich bewaffnet mit rasierklingen an der Krallen gegenseitig niedermetzeln. Ein Kampf auf Leben und Tod -und meiner Meinung nach absolute Tierquälerei. Eigentlich wollte ich diese Veranstaltungen boykottieren,nachdem ich Videos von Kämpfen gesehen hatte. Jetzt wollte ich mir denn doch mal ein Bild von der Sache machen. Die Atmosphäre, die ich dort erlebte, verdient einen eigenen Blogeintrag (demnächst hier).
Anschließend fuhren wir nach Cabilao Island. Um dort hin zu gelangen, war wieder einige Diskussion notwendig, da wir mit dem Motorrad übersetzen mussten und man da als Europäer natürlich erstmal vor utopische Preise gestellt wird. Aber am Ende ging alles klar für 200Peso (keine 3€). Auf der Insel angekommen wurden wir etwas heimtückisch davon überrascht, dass das Ressort, das von einem Deutschen geleitet wird, seine Preise angezogen hat.Grund ist angeblich die Anschaffung zweier neuer Generatoren, die die Gäste nun 24 Stunden lang Strom versorgen. Normalerweise ist nachts keine Elektrizität verfügbar. So was passiert eben, wenn Tourismus auf Abenteuer trifft. Meist zieht das Abenteuer eben den Kürzeren.
Nicht aber für uns, denn da wir beide ohne Kreditkarte unterwegs waren und nur das mitgenommene Bargeld zurVerfügung hatten. Wir kalkulierten und stelleten fest, dass es wohl recht knapp werden würde. Kein Abendbrot im Ressortrestaurant also für uns! Stattdessen durchstreiften wir das Dorf auf der Suche nach Nudeln oder Reis. Die Einheimischen konnten dies Situation nicht wirklich begreifen, dass da zwei Weiße mit der Taschenlampe durch den Dschungel marschierten und nach Nahrung fragten. Letztendlich fanden wir einen kleinen Tante Emma Laden halb in einer Wohnstube drin. Die Omi verstand schließlich unsere Situation und gab uns auch einen Teller, Löffel und heißes Wasser. Während wir Seite an Seite mit den drei alten Damen aßen, lächelten sie uns immerfort ungläubig an. Als wir gingen und die Gastfreundschaft mit 10 Peso (65Peso = 1 Euro) „Trinkgeld“ würdigten, konnte sie das gar nicht glauben.So unterschiedlich können die Vorstellungen von Wert manchmal sein!
Am Sonntag schnorchelten wir etwas vor dem Strand herum und dann widmete ich mich meiner Spanisch-Lektion, denn wie gesagt, ich studiere hier. Da einige ja manchmal den Eindruck haben, dass hier sei alles nur Urlaub. Nachdem wir dann per Motorad, Boot, Taxi, Flugzeug und erneut Taxi endlich gegen halb 2 Nachts wieder in Manila waren, schüttete ich das letzte Bargeld aus meinem Portemonnaie und gab es dem Taxifahrer. Fazit: So genau wie diesmal hatten wir noch nie kalkuliert. Ohne einen Peso in der Tasche waren wir wieder zu Hause.
So, muss ich langsam wieder an meine Hausaufgaben. Nächstes Wochenende geht es zum Chinese New Year nach Hong Kong.
Bis bald! Euer Martin

Verfasst von radlausicker 





