Nomade auf Zeit

Mai 29, 2010

Neun Monate sind bereits vergangen, seit ich gemeinsam mit Kunststudent Manuel Schneidewind zu der Radtour entlang der Donau aufbrach. Das dabei entstandene Videomaterial habe ich zwar gleich nach der Rückkehr eingespielt und ein wenig sortiert. Doch dabei blieb es dann aus Zeitgründen erst einmal. Zu zeitintensiv waren die Vorlesungsvorbereitungen während des Auslandssemesters.

Die Produktion

Wie dem auch sei, erst  in den letzten Monaten entstand dann jedenfalls ein fertiger Film. Es handelt sich um eine “No-Budget”-Produktion, die die Impressionen einer längeren Radtour vermitteln soll. Wer ausführliche Hintergründe über die durchfahrenen Kulturlandschaften erwartet, wird vielleicht enttäuscht. Vielmehr ist es ein persönlicher Erfahrungsbericht.

Gedreht wurde mit einer Sony VX 2000- Kamera auf MiniDV, geschnitten mit Final Cut Express.

English Version – Projekt noch nicht beendet

Derzeit ist die Dokumentation nur auf deutsch verfügbar. Es wird aber in nächster Zeit noch eine Version mit englischem Untertitel geben. Für Radfahrer folgt auch eine Aufbereitung der wichtigsten Tourinformationen.

Hier geht es zum Trailer



Nomade auf Zeit from Martin Letsche on Vimeo.


Das Tor zum Osten erreicht

September 9, 2009

Zunächst einmal Asche über mein Haupt, dass es nun doch erst Mittwoch geworden ist mit unserer Ankunft in Wien und damit mit einem ersten richtigen Blogbeitrag.

Die ersten 950 Kilometer haben wir seit unserem Start letzten Mittwoch bereits hinter uns gelegt. Bis zum Schwarzen Meer bleiben jetzt nur noch gut 2000 Kilometerchen. Nach unserer Ankunft am Bahnhof in Donaueschingen begann es wie bestellt zu regnen. Kein gutes Omen und so sollte es auch an den kommenden Tag vor allem nass bleiben. Der Vorteil war, dass keine Tagestouristen auf der Strecke waren, der Nachteil: alle Klamotten nass und nässer. Doch ab Donauwörth wurde das Wetter zunehmend besser und in Regensburg (wie sollte es auch anders sein) erwischte uns dann noch einmal richtig. Die Nässe und die Langfingerhandschuhen und dem Fleece-Pullover zwei Ausrüstungsgegenstände unersetzbar gemacht, die beinahe aus der Packliste geflogen wären. Mittlerweile haben wir keinen Regen mehr, aber die nächtlichen Temperaturen bewegen sich im einstelligen Bereich. Wir hoffen auf höhere Temperaturen im Süden.

Der Radweg bis Wien war bisher so gut ausgeschildert, dass wir bisher überhaupt keine Karte benötigt haben, Nur in Bayern war die Beschilderung anfangs etwas dürftig, so dass wir uns auf Feldwegen und stark befahrenen Hauptstraßen wiederfanden. Zwischen Passau und Wien waren erwartungsgemäß sehr viele „Light-Tourer“ unterwegs. Aber der richtige Andrang erstreckte sich nur auf die Ortschaften. Vor Linz fuhren wir einmal Straßen, weil der Radweg daneben mit einem langsam dahinrollenden Feld von Radtouristen überfüllt war.

Jetzt übernachten wir in Wien das erste Mal seit Tourbeginn nicht draußen, sondern bei dem netten Tino (leider ist der Anhänger mit Gastgeschenken in der Donau verloren gegangen ;-) Das fühlt sich schon recht ungewohnt an, wenn man sich mal nicht mit eiskaltem Flusswasser waschen muss. Hier haben wir auch Gelegenheit unsere Ausrüstung noch mal zu sortieren für das eigentliche Abenteuer vorbereiten. Morgen steht etwas Stadtbesichtigung auf dem Programm. Anschließend verlassen wir dann auch schon wieder Österreich und rollen Richtung Bratislava.

Jetzt genug für jetzt, denn erstens sind die Finger vom Lenker halten noch n wenig taub und zweitens will Tino jetzt ins Bett.

Neues dann aus…Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien und Rumänien ….

Bis denne!

Martin


Countdown läuft – noch 4 Tage bis zum Start

August 27, 2009

Nachdem Manu mit seinen beiden Kollegen wieder heil aus der Provence zurück gekommen ist und nun die Tourentauglichkeit seines Rades ausgiebig getestet hat, kann es am Dienstag, dem 1. September 2009 endlich losgehen mit unserer Donau- Radtour “Von der Quelle bis zum Delta”.

Dabei spielt sich der erste Tag größtenteils in den Nahverkehrszügen der Bahn ab. Gegen Abend werden wir dann in Donaueschingen eintrudeln und den Ursprung des Flusses suchen, dem wir dann in den folgenden 4 Wochen Richtung Osten begleiten werden.

Nachdem meine Elke (ehemaliges Tourenrad – Anmerk. d. Red.) jetzt ihr entspanntes Rentnerdasein als Stadtrad fristet und auch Marie (Dikts Tourenrad – Anmerk. d. Red.) dieses Jahr auch nicht dabei ist, stelle ich an dieser Stelle kurz unsere neue “Reisebegleitung” vor.

Manu geht mit seinem Gran Tourismo an den Start – einem zum Tourenrad, das sportlich gefahren werden will. Die gerade einmal 11 Kilogramm Eigengewicht lassen genug Spielraum für ordentlich Zuladung! Damit ist geklärt,wer das Zelt transportiert! :-)

Gran T.

Ich werde, wie schon bei der Prag-Tour dieses Jahr auf Gina zurückgreifen, eine freundliche Leihgabe. Sie hat einen stählernen Körper und ist zwar schon über 15 Jahre alt, wurde aber stets gut gepflegt. Seit Prag hat sie auch eine neue Achse, die hoffentlich erstmal eine Weile hält. Hoffentlich!

Gina


Provence-Tour 2009 gestartet

Juli 31, 2009

Um 5:00 Uhr starten Manu, Toni und Erik mit Zug von Leipzig nach Genf. Von dort beginnen sie dann ihren Rundkurs, der sie an den Alpenausläufern bis an die südfranzösische Mittelmeerküste bringt.
Im Anschluss geht es dann wieder nach Genf zurück. Für die etwas mehr als 1000 Kilometer haben die Jungs zwei Wochen Zeit. Dann fährt der Zug von Genf nach Hause.

Karte
Toni und Manu schauen ein letztes Mal auf die Karte

PS: Manu ist mit seinen Klickern natürlich klar im Vorteil! :-)


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Route in Planung

Juli 11, 2009

Hier gibt´s die vorläufige Route für die Donau-Radtour 2009 vom 30. August bis zum 1. Oktober 2009.


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Wie man sein Fahrrad fit fürs Flugzeug macht

Juni 29, 2009
verpupptes Rad

Immer wieder, wenn wir von unseren Radtouren erzählen, ist eine der ersten Fragen: “Kann man Fahrräder einfach so im Flugzeug mitnehmen?” Bei der vorschnellen Antwort beschränkte ich mich immer auf ein kurzes „Ja!“ Vorschnell deswegen, weil es dann doch nicht immer so einfach war. Vom Anschlagsverdacht bis zum Selbstverladen der Räder haben wir schon alles erlebt. Hier ein kleiner Erfahrungsbericht über verschiedene Methoden, sein Gefährt wieder heil heim zu bringen.

Variante 1: Der Karton

Das erste Mal, dass ich mein Fahrrad in einem Flugzeug transportieren musste, war 2006, als ich von Montpellier nach Berlin flog. Den Flug hatte ich bei meiner Ankunft am Mittelmeer noch nicht gebucht, da ich nicht wusste, wie weit ich fahren würde. So fuhr ich kurzerhand zum Flughafen und buchte bei Air France. Das Anmelden eines Fahrrades war gar kein Problem. Auch der Preis war mit 176€ (inkl. Rad) im Rahmen. Auf Nachfragen konnte ich noch einen Radkarton kaufen. In den packte ich das Fahrrad am Abreisetag. Stabiles Paketband hatte ich glücklicherweise in einem Baumarkt gekauft. Sonst wäre das Verpacken etwas schwierig gewesen. Aber auch so war eine ganze Menge Geschicklichkeit erforderlich, das Rad allein in das große Paket zu bekommen und anschließend stabil zuzukleben. Dafür sollte man immer genug Zeit einplanen. Alles in allem war das in zwei Stunden stressfrei zu schaffen.

drum

Als ich bei der Landung in Deutschland einen Blick auf die Gepäckentladung erhaschen konnte, blutete mit das Auge schon ein wenig. Mit ordentlich Schwung und wenig Überlegung wurde mein Rad von einem Gepäckentladefachmann auf den Gepäckwagen geworfen (Das ist keine Übertreibung!) Zu meiner Verwunderung erhielt das Rad auch nicht an der Ausgabe für Sperrgepäck zurück, sondern fand es zwischen Koffern und Reisetaschen auf dem Fließband, wo es  aufgrund seiner Ausmaße natürlich auch noch den ein oder anderen Stoß abbekam. Es war auch sehr angenehm, den schweren, sperrigen Karton vom vorbeifahrenden Band zu zerren. Zwischen dicht gedrängt stehenden  Menschen, die entnervt Luft ausstießen, anstatt mal ein Stück Platz frei zu geben.

Glücklicherweise hatte ich einen Trekkinglenker, der meine Schalthebel vor Stößen schützte. Lediglich mein Sattel war etwas lädiert. Außerdem war der Karton von irgendeiner schmierigen Flüssigkeit durchgeweicht und verformt, hatte aber das Fahrrad vor größeren Schäden bewahrt.

Variante 2: Die Knallfolie

2007 in Spanien ging fuhren wir einige Tage vor unserem Abflug mit der naiven Vorstellung an den Flughafen, es würde genauso einfach funktionieren wie in Frankreich. Ganz schön optimistisch im Nachhinein. Denn bereits in Malaga, wo wir uns nach Zugtickets und Fahrradmitnahme erkundigen wollten, flogen uns nicht nur Blicke entgegen, die so etwas aussagten wie „Seid ihr total bescheuert“. Nein! Wir wurden auch noch von der Security herausbegleitet, die auf alle unsere Fragen nur eine Antwort kannten: „It´s not possible with bike!“

Jedenfalls gab es am Flughafen von Malaga keine Kartons und wir mussten uns etwas anderes überlegen. Circa.einen Kilometer vom Flughafen gab es einen Baumarkt. Dort kauften  wir uns jeder eine 12-Meter-Rolle-Knallfolie und zwei Rollen Gaffatape. Bei örtlichen Radhändlern hätten wir uns sicher auch einen Karton kaufen können, aber wie bekommt man den dann zum Flughafen?

Außerdem hatten wir Hoffnung, dass wenn die netten Gepäckverladefacharbeiter sehen würden, dass es sich um ein Fahrrad handelt, es auch wie eines behandeln würden. Am Flughafen stellten wir dann den Lenker quer, schraubten die Pedalen ab, fixierten die Räder mit Kabelbinder und begannen diese mit der Folie zu umwickeln und verpuppten so nach und nach das ganze Rad. Das fertige Packet ließ sich viel besser anfassen als so ein klumpiger Karton. Bei der Gepäckaufgabe wurden zunächst unsere Radtaschen eingecheckt und anschließend rief die nette junge Dame die Leute von der Sondergepäckabteilung an und wir brachten unsere Räder zu ihnen. Die wollten wissen, ob wir von unseren Rädern die Luft gelassen hatten. Hatten wir natürlich nicht! War in Frankreich auch nicht notwendig gewesen und ist auch eine absolut sinnlose Angelegenheit, weil jedes Deo im Gepäckladeraum viel eher hochgeht als ein bis 8 bar ausgelegter Schwalbe Marathon, der nur etwas mehr als halben Druck drauf hat.

halb verpuppt

Einige denken jetzt vielleicht, warum regt der sich so auf. Ist doch kein Problem! Luft raus und gut! Aber, wenn man dicke Schichten von Knallfolie über den Rädern zentimeterweise mit seinen Fingern durchbohren muss, um nach Ventilen zu tasten, hat man schon eine Menge Spaß. Werkzeug war ja schon aufgegeben. Und auf die Frage nach einer Schere wurde einer von den Flughafenangestellten auch noch pampig und meinte sogar, dass er nicht mit einem Flugzeug mitfliegen wolle, wo potentielle Bomben in Form von aufgepumpten Fahrradreifen schlummerten. :-)  Zu seinem Unverständnis zauberte er uns damit ein Lächeln aufs Gesicht. Da hatten wir wieder gute Laune, während wir weiter mit unseren Fingern in der Knallfolie bohrten.

Diesmal sah ich nicht, wie unsere Fahrräder verladen wurden. Allerdings konnten wir sie diesmal wirklich beim Sperrgepäck abholen und sie waren absolut unversehrt.

Fazit: Knallfolie rules!

Variante 2.1 (Upgrade von Variante 2): Die Knallfolie mit optischem Reiz

Im letzten Jahr flogen wir von Glasgow aus nach Berlin. Da unser Flug am Morgen ging, fuhren wir schon am Vorabend zum Flughafen. Wir waren auchb diesmal in einem Baumarkt gewesen. Aber was es nicht gab, war Knallfolie! Nur eine kleine Rolle war nochübrig, mit der man hätte die Bremshebel schützen können.

Das einzige, was am ehesten der Knallfolie nahekam, war ein Gewächshausset, inklusive irgendwelcher Lufteinlässe, die den Preis natürlich hochtrieben. Aber es blieb uns keine Alternative und wir hatten die „Gewächshäuser“ für unsere Fahrräder gekauft. Nachdem die Räder verpuppt waren, hatten wir noch eine Nacht Zeit bis unser Flug ging. Mit zwei Flaschen Energykonzentrat in der Blutbahn habe ich die ganze Zeit kein Auge zugetan. Ich war so munter, dass ich halb 4 angefangen habe, Feuilleton zu lesen. Aber auch das half nichts und irgendwann erblickte ich die leicht bekleidete Becky auf einem Stück Zeitungspapier vor mir. Da kam mir eine Idee, die sich im Nachhinein als echter Geistesblitz offenbarte. Säuberlich heraiusgerissen klebten wir Becky auf Dikts Rad. Bereits in der Wartehalle hatte sämtliches Flughafenpersonal einen großen Spaß an der nackten Haut auf dem ungewöhnlichen Gepäckstück.

Becky - safety first

Dann konnte es bei den Gepäck-verlade-Facharbeitern doch auch nicht anders sein. Auch die Luft hatten wir diesmal vorbildlich herunter gelassen.

Beim Check-In kam es dann doch etwas anders. Als wir an der Reihe waren, wurde uns mitgeteilt, dass wir mit dem Sperrgepäck doch in die andere Halle mussten. Und nein, wir konnten nicht schon mal unsere normalen Taschen abgeben. Also marschierten wir mit Becky und dem ganzen Rest quer über den Flughafen und stellten uns so ziemlich am absolut entgegengesetzt paltzierten Schalter an. Als wir dort abermals an der Reihe waren checkten wir unser Gepäck ein. Dass die Fahrräder auch nicht auf das Gepäckband für übergroße Gepäckstücke passen würde, war auf den ersten Blick offensichtlich. Dennoch beharrte die Dame darauf, dass ewir die Räder drauflegen sollten.

Nachdem auch sie sich von der Unmöglichkeit des Unterfangens überzeugt hatte, telefonierte sie kurz, bevor sie uns mitteilte, wir müssten wieder in die andere Halle (die aus der wir gerade gekommen waren!) Als wir dort warteten, kam nach einer Viertelstunde ein Herr. Der wohl um unsere Räder kümmern sollte. Er beschloss, dass wir das am besten gleich selbt erledigen solltenund öffnete uns die Tür, die uns in den flughafeninternen Verladebereich brachte. Dort übergaben wir höchstpersönlich Becky und Co den beiden zuständigen Gepäck-verlade-Facharbeitern, die für die nackte Haut wie zu erwarten auch nur ein Grinsen übrig hatten. Becky hat ihren Job zu unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt. Unsere Räder kammen ohne jeglich Beschädigung in Berlin an.

Im nachhinein tut es mir auch etwas leid, dass unsere gute kleine Helferin noch am Flughafen lieblos den Weg ins Altpaper fand…Becky r.i.p.


Bad Lausick – Prag: 220km an einem Tag

April 11, 2009

Eine Geschichte über einen Tag am konditionellen Limit mit Happy End
Achja, eine gebrochene Achse kommt auch darin vor.

Hier geht es zu den Fotos!

Diesen Karfreitag brachen Manu und ich zu einer etwas anderen Ostertour auf. Es ging dabei nicht um die Nähe zur Natur oder die Freude am Radfahren an sich. Nein, das banale Erreichen eines bestimmten Ziels stand für uns auf dieser “Tor-Tour” im Vordergund. Und das war wie bereits im ersten Versuch vor zwei Jahren die tschechische Hauptstadt.

Nach einem kurzen Frühstüch brachen wir 4:52 Uhr in Richtung Chemnitz auf, dass wir in unserer morgendlichen Frische recht zügig erreichten. Mit einem 26er-Schnitt trodelten wir ein. Aber bereits am Ortsausgang der Stadt schien uns das Vorland des Erzgebirges seine ersten Ausläufer in den Weg stellen zu wollen. Und ehe wir uns versahen ging es stetig nur noch bergauf, manchmal auch wieder leicht bergab, aber nur wenn es anschließend doppelt so steil wieder hinauf gehen sollte. An einem Anstieg hatte ich einen plötzlichen Schwächeanfall und musst ein paar Meter schieben, ehe es richtig weitergehen konnte.

Bis zum Mittag wurden wir noch mit einer ewig langen Abfahrt für die sauren Oberschenkel belohnt. Auf tschechischer Seite legten wir dann die erste längere Pause (40 Minuten) ein. Es sollte eigentlch die einzige Pause von diesem Ausmaß sein, aber das kam später doch etwas anders.

Auf tschechischer Seite folgen wir der Hauptstraße von Chomutov nach Prag. Der Seitenstreifen war meistens in gutem Zustand und breit genug, um genügend Abstand zu den vorbeifahrenden Autos und 10-Tonnern zu halten. (Außerdem hatten wir ja unsere Helme auf ;-)

Louny – die Endstation des letzten Prag-Versuchs hatten wir bereits hinter uns gelassen, als wir von unserem Tour-Mobil (und Rückfahrgelegenheit) mit motivierendem Hupen überholt wurden. Aus dem Hupen klang so etwas wie: “Wir sehen uns dann gleich in Prag!” und gab wieder etwas Kraft in die mittlerweile nur noch von Powerbars und anderen Müsliriegeln mit Energie versorgeten Oberschenkel.

Kurz darauf, ich fuhr gerade in Manus Windschatten leicht bergab, krachte es hinter mir, unter mir. Verdammt, wo kam das her? Was war da passiert? Das Rad blockierte. Ich drehte mich um und sah irgendetwas metallisches quer über die Straße fliegen, ehe dutzende Autos drüberfuhren.

Ein kurzer Blick auf das Hinterrad und die Feststellung: Das war gerade der Schnellspanner der Achse, der sich verabschiedet hatte. Das durfte doch nicht wahr sein – sollte die Tour erneut 60 Kilometer vor dem Ziel beendet werden? Nach einem kurzen Telefonat mit unserem “Streckenfahrzeug” kam die schelle Hilfe. Zum Glück gabe es im 10 Kilometer entfernten Slany einen Radladen und Karfreitag war hier auch kein Feiertag, wie wir zunächst verzweifelt angenommen hatten. So konnte das Problem innerhalb von insgesamt 45 Minuten behoben werden. Jetzt musste es einfach klappen.

30 Kilometer vor Prag verließen wir die Hauptstraße, da sie zur für Radfahrer unbefahrbaren Schnellstraße wird. Über verschlafene Dörfer und schmale Nebenstraßen schlängelten wir uns in Richtung Prag. Dass die Gegend hier viel gemütlicher zum Radfahren war als, die breite Hauptstraße, die wir die letzten Stunden dauernd unter uns hatten, nahmen wir nur am Rande war. Jetzt merkte man, dass die bis dato gefahrenen 200 Kilomteter (inkl. der zahlreichen Höhenmeter des Erzgebirges) richtig an die Substanz gingen. Nach einem allerletzen Trinkstop in einer kleinen Dorfkneipe rollten wir in der tschechischen Hauptstadt ein. Damit ist das Projekt “Prag an einem Tag” im Licht der untergehenden Sonne doch vom Erfolg gekrönt worden.

Nach einer Nacht im Tiefschlaf fiel der Muskelkater ausgesprochen gering aus. Nur der Brooks-Sattel hat nach 220 Kilometern nonstop doch so seine Spuren hinterlassen ;-)


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