Nagel durch die Hand – kein Heimwerkerunfall

April 3, 2010

Photos von der Kreuzigung gibt es hier (ACHTUNG: blutig)

Gestern fanden in San Fernando (Batangas) die jährlichen Osterkreuzigungen am Karfreitag statt. Unsicher ob wir als Ausländer dieses Jahr überhaupt zu dieser scheinbar religiösen Veranstaltung zuschauen dürften, erlebten wir am Ende eine Mischung aus Selbstgeißelung, Theater und Kitsch. Von spiritueller Atmosphäre kann keine Rede sein. Allein schon wegen dem “VIP-Bereich” mit Zuschauer-Tribüne mit bestem Blick auf die Kreuze.

In den letzten Wochen verbreitete die Lokalpresse in Manila immer wieder die Stellungnahmen der Sektenverantwortlichen, die Teilnahme von Ausländern an der Zeremonie auschließen, da sich im Vorjahr offenbar einige Touristen unter die Selbstgeißler gemischt hatten, um sich über diese lustig zu machen. Übrigens ist es in diesem Zusammenhang richtig, von einer Sekte zu sprechen, da es sich nicht um die katholische Kirche auf den Philippinen die Kreuzigungen ablehnt. Dennoch geht sie nicht dagegen vor…


Schwimmen mit den größten Fischen der Welt

März 31, 2010

- Photos von der Reise in den Süden Luzons (hier klicken fürs Album)

So richtig wusste ich nicht, was mich erwarten würde, als wir das kleine Boot betraten, das uns von dem kleinen Ort Donsol im Süden Luzons aufs Meer hinaus schipperte. März ist die beste Zeit um die gigantischen Walhaie zu beobachten. Denn dann ist das Meer sehr ruhig und das Plankton, von dem sich die bis zu 18 Meter langen Giganten ernähren, ist sehr dicht unter der Wasseroberfläche….

…Auf einmal sehe auch ich was er wahrscheinlich einen Sekundenbruchteil eher wahrgenommen haben muss. Ein mächtiger Schatten bewegt sich direkt auf uns zu. Lautlos nähert er sich und es formt sich kurz darauf zu einem gewaltigen Kopf. Ein Walhai kommt direkt auf mich zu…

Was ist ein Walhai?

Erst jetzt streckte ich meinen Kopf wieder aus dem Wasser. Ich war schon recht weit von unserer Gruppe und dem Boot entfernt. Das hatte ich in der Verblüffung gar nicht mitbekommen. Insgesamt sprangen wir noch neun weitere Male ins Wasser und sahen insgesamt neun Exemplare der ruhigen Kolosse. Es war ohne Zweifel eines der besten Erlebnisse hier auf den Philippinen. Auch wenn ich davon nichts in einem Foto konserviert hab, werden die Erinnerung daran auch so lebendig bleiben. Und vielleicht besuche ich die Walhaie irgendwann noch einmal. Dann werde ich mir aber ein paar Flossen mitnehmen.


Neue Bilder online

März 29, 2010

Nach 3 Wochen ohne neue Fotoimpressionen habe ich hier mal eine Auswahl der Fotos aus den letzten 3 Wochen hochgeladen. Es folgen natürlich weitere zu den Blogeinträgen.


Mit dem Zug zurück nach Deutschland

März 4, 2010

Nach 2 Wochen Studium am Stück in Manila geht es jetzt auf zum letzten großen Reisen auf den Philippinen. Heute Abend beginnt es mit einer Busfahrt nach Legaspi, um am Wochenende die größten Fische der Welt zu beobachten – die bis zu 18 Meter langen Walhaie. Auch auf dem Programm steht der „schönste“ Vulkan der Welt, der vor einem Monat wieder einmal gebrodelt hat – der Mt. Mayon.

Im Anschluss daran geht es dann noch einmal auf eine kleine Rundreise. Es beginnt mit Boracay, dem touristischen Traumstrand der Philippinen. Dort werde ich Roy, einen philippinischen Freund besuchen. Danach fahre ich mit Coco noch einmal nach Romblon Island, um etwas Abgeschiedenheit zu genießen.

Nach einem kurzen Zwischenstop in Manila geht es dann weiter über Dumaguete nach Siquior, einer kleine Insel im Süden der Philippinen.

Anschließend mache ich noch einen Abstecher nach Taipeh. Dann geht es nach Sagada und Banaue, um die Reisterassen und die hängenden Särge zu bestaunen. Ostern schauen wir uns noch die menschlichen Kreuzigungen in San Fernando an.

Anfang April werde ich mit Tobi die Rückreise nach Deutschland antreten. Zunächst sind dabei Zwischenstops in Shanghai und Peking geplant. von dort geht es auf dem Landweg mit der transsibirischen Eisenbahn weiter bis Moskau und schließlich nach Berlin.

Es wird also noch einiges zu berichten geben…

Bis bald,

Der Radlausicker


Über keine Gewinner und Verlierer

Februar 22, 2010

Vorbei an kleinen Imbissständen zwängen wir uns durch ein kleines Tor. Noch schnell 20 Peso Eintritt durch einen Spalt in der Wand gereicht und schon stehen wir inmitten der Arena. Die vier hölzernen Tribünen werden durch einen Zaun von der in der Mitte liegenden Manege getrennt. Der Zaun ist mit einer dünnen Glasscheibe versehen, an der frisches Blut klebt. Der gelbe Sand und der Geruch nach Tier erinnern mich sofort an einen Zirkus. Auch der Mann im Mitte der Arena, der mit seinem Auftreten die Leute anzuheizen scheint, hat etwas von einem Clown. Würde man bei einem Boxkampf Sanitäter mit Sani-Kasten erwarten, so stehen hier ein paar Besen und Eimer parat und ein paar Frauen, die auf ihren Einsatz damit warten. Es sind die einzigen Frauen in der Hahnenkampfarena an diesem Sonntag Morgen. Denn Hahnenkampf auf denPhilippinen ist Männersache.

Plötzlich wird es laut in der Arena. Zwei Männer mit ihren beiden Hähnen betreten den Ring. Nachdem sie die beiden kontrahierenden Hähne gemustert haben, beginnen die Männer auf den Tribünen ihre Wetten abzugeben. In der Zwischenzeit werden die beiden Hähne einander vorgestellt, indem man sie dicht aneinander hält. Sofort wird die gegenseitige Rivalität klar, da sie bereits jetzt versuchen aufeinander einzuhacken und nur von den Händen ihrer Besitzer zurück gehalten werden. Diese nehmen jetzt wieder in unterschiedlichen Ecken des Ringes Platz, während die Zuschauer weiter lautstark ihre Wetten abgeben. An den Krallen der Hähnen funkeln die Klingen der festgezurrten Rasiermesser, die tödlichen Waffen in einem Kampf, den wohl nur einer überleben wird. Für die Hähne heißt es töten oder getötet werden, für die Zuschauer Geld gewinnen oder verlieren.

Nachdem offenbar alle ihre Scheine gesetzt haben, bekommt eine Art Ringrichter die beiden Hähne übergeben. Mit höchster Anspannung positioniert er die beiden Kontrahenten im Ring und zieht dann ruckartig seine Hände zurück. Der Kampf ist eröffnet. Die beiden Hähne laufen zunächst im Kreis, ehe einer plötzlich den Radius verkleinert. Einen Sekundenbruchteil später fliegt ein federner Klumpen über den Sand. Er nähert sich dem Zaun, ohne dass man eines der beiden auseinanderhalten kann. Ein Meer von verlorenen Federn umgibt die Tiere. Plötzlich spritzt Blut an die Glasscheibe und der Klumpen von Federn verwandelt sich wieder in zwei Hähne. Allerdings steht nur noch einer mehr oder . Der andere liegt blutend am Boden. Der „Kampfrichter“ enthakt die Hähne, die sich mit ihren Rasiermesserkrallen gegenseitig verheddert hatten.

Er hebt sie kurz hoch, bringt ihre Schnäbel miteinander in Berührung, als ob das sie noch einmal anheizen sollte und platziert sie wieder auf dem Sand. Einer der beiden fällt auf der Stelle wieder um, der andere hat auch Probleme sich auf den Beinen zu halten. Also werden sie wieder aufgenommen. Das Spiel wiederholt sich, bis beide mehr oder weniger wieder stehen.

“Unentschieden”

Mit allerletzter Lebenskraft springen sie aufeinander und bleiben nach einer letzen müden Attacke schließlich beide liegen.Zwar versucht der „Kampfrichter“ die Hähne noch einmal zu mobilisieren, allerdings ohne Erfolg. Sobald er sie loslässt, sacken sie leblos wie Puppen zusammen. Einer der Zuschauer erklärt uns, dass wir gerade Zeugen eines selten vorkommenden „Unentschiedens“ geworden sind. Für mich ist unentschieden immer dadurch definiert gewesen,dass es keinen Gewinner, aber auch keinen Verlierer gibt. Mag sein, dass das auf die Männer zutrifft, die Geld gesetzt haben, aber egal wie der Kampf auch ausgeht, die Tiere bleiben dabei wohl immer Verlierer.


Willkommen im Jahr des Tigers

Februar 19, 2010

Photos of Hong Kong now online @ Flickr

Am vergangenen Wochenende reisten Tobi und ich zum chinesischen Neujahr nach Hong Kong. Blöderweise hatten wir beim Buchen des Fluges nicht bedacht, dass wir keine Unterkunft haben würden, wenn wir Freitag nachts um 1 ankommen. Also machten wir es uns auf den Sitzbänken im Terminal bequem, um den Tag abzuwarten. Gegen 7 kam dann auch Cocos Flieger in Hong Kong an, so dass wir sie noch einsammelten und dann gemeinsam in die Stadt fuhren…


Der mit der Schlange tanzt

Januar 25, 2010

Photos of the trip

Das letzte Wochenende starteten wir in einer recht großen Reisegruppe von 18 Studenten zu den Hundred Islands im Norden Luzons. Da uns eine etwa fünfstündige Busfahrt bevorstand, vereinbarten wir mit unseren baskischen Freunden das Treffen um Mitternacht vor dem Mc Donalds um die Ecke. Als sie nach einem Eis und weiteren 30 Minuten Wartens immer noch nicht da waren, wurden wir (die deutsch-österreichische Reisefraktion, die sich hier schon an die etwas flexible Definition von Pünktlichkeit gewöhnt hat) etwas stutzig. Nach weiteren zehn Minuten kam dann die Auflösung per SMS. Der ausgemachte Zeit für das Treffen wurde spontan um zwei Stunden nach hinten verlegt. Also schauten wir uns zwei Stunden lang filmische Meisterleistungen im Fernsehnachtprogramm an, ehe wir erneut aufbrachen. Am Busterminal angekommen, erfuhren wir, dass der nächste Bus in zwei Stunden fahren würde. Nice!

Nach etwas mehr als fünf Stunden Busfahrt erreichten wir am Morgen schließlich Alaminos und kurz darauf per Tricycle auch den Hafen. Nach den üblichen Preisverhandlungen ließen wir uns schließlich mit genügend Proviant (Alkohol und Wasser standen dabei in einem ausgewogenen Verhältnis ;-) ) auf eine der mehr als 100 Inseln bringen.

Unsere Insel besaß einen kleinen Strand, der zum späteren Nachmittag aufgrund der Flut immer mehr dahin schwand. Gegen Abend hatten wir nur noch einen schmalen Sandstreifen. Mit dem Wasser stiegen auch unsere Bedenken, ob ein Übernachten am Strand überhaupt möglich sein würde. Gegen Abend errichteten wir deshalb in Teamwork also eine „German Mauer“, wie unsere europäischen Freunde scherzten. Anschließend sammelten wir auf der felsigen Insel, was wir an brauchbarem Feuerholz auftreiben konnten und entfachten unser Feuer – die einzige Lichtquelle auf der in Dunkelheit gehüllten Insel.

Tanz mit der Schlange

Als ich gerade mit Tim am Strand philosophierte, glaubte ich plötzlich sein Bein an meinem zu fühlen. Darüber etwas überrascht wanderte mein Blick an meinem Körper hinunter und ich musste mit Erschrecken feststellen, dass es nicht Tims Beine waren, die sich an sich schmiegten, sondern ein über einen Meter langes schwarzes, schmales Etwas – eine Schlange! Ich hatte schon etwas über den Artenreichtum an Schlangen auf den Philippinen gelesen und mir schoss in dieser Sekunde nur noch ein einprägsamer Satz durch den Kopf: „….bis auf die Schlangen der Python-Gattung kann davon ausgegangen werden, dass alle anderen giftig sind”. Sicher sollte man Ruhe bewahren in so einer Situation, aber dafür braucht man wohl jahrelanges autogenes Training. Ich sprang jedenfalls auf und machte eine großen Satz zur Seite. Tim ebenso. Das schlängelnde schwarze Etwas war jetzt vielleicht einen Meter entfernt, verharrte schlängelnd einen Augenblick auf der Stelle, ehe es seinen Weg ins Meer suchte. Es war also eine Wasserschlange. Nach einigen Recherchen im Netz könnte es sich um die „Turtle Headed Sea Snake“ (Emydocephalus annulatus) handeln. Diese Art sucht den Strand auf, da sie auch Luft zum Atmen benötigt. Zum Glück ist niemandem etwas passiert. Nichts wäre wohl schlimmer als ein tödlicher Schlangenbiss auf einer einsamen Insel ohne Möglichkeit, einen Arzt zu besuchen. Die Nacht waren dann alle recht hellhörig. Keiner wollte mit einem ungebetenen Gast im Schlafsack aufwachen!

Am nächsten Nachmittag holten uns unsere zwei Boote ab und beförderten uns zurück in die Zivilisation. Am späten Abend hatte uns dann schließlich Manila wieder.

Am nächsten Wochenende werde ich mal wieder in der Stadt bleiben, da ich noch ein paar Sachen für die Uni erledigen will. Am Samstag geht es dann aber noch zu einem Mountainbike-Rennen eines Kommilitonen und abends dann zu den Beach Boys (Ja, die gibt es noch!).

Bis dahin, Euer Martin


Motorradtour auf Romblon Island

Dezember 1, 2009

Am letzten Wochenende brach ich gemeinsam mit Coco, einer netten Französin, auf Romblon Island zu erkunden. Allerdings war die Anreise mit einigen Hindernissen verbunden.

Hier geht es zum Fotoalbum der Tour!

Da am Montag Feiertag auf den Philippinen war, war die Straße zur Hafenstadt Batangas vollkommen verstopft und wir brauchten fast vier Stunden für die Strecke von etwa 70 Kilometern. Als wir dann kurz vor der planmäßigen Abfahrtszeit am Hafen eintrafen, rannten wir zum Ticketschalter, wo man uns mitteilte, das nächste Schiff nach Romblon gehe am Samstag. Heute wäre nur das benachbarte Tablas Island möglich. Wir hatten uns allerdings nicht getäuscht und legten auch den Ausdruck von der Website vor, worauf die Frau am Schalter auch nichts weiter sagte, außer dass uns ja eh keine Alternative blieb. Also zwei Tickets für die falsche Insel in der Tasche ging es auf die Reise.

Auf dem Boot kamen wir gleich mit einer philippinischen Familie ins Gespräch, die uns erst mit Essen versorgten und als ich sagte, dass ich Deutscher bin, wurden auch schon die Familienfotos herausgeholt, da ihre Tochter einen Deutschen Freund hatte, der noch dazu aussah wie ich (ihrer Meinung nach ;-) . Gegen 3 Uhr morgens standen wir also in dem Örtchen Odiogan auf der falschen Insel. Aber nach einer 2-Stunden – „Busfahrt“ durch den Dschungel kamen wir in St. Agustin an. Von dort nahmen wir die Fähre nach Romblon. Gegen 8:00 Uhr betraten wir dann auch die richtige Insel. Nach einem Frühstück im Dehli-Café, indem wir den Besitzer David trafen, hatten wir dann auch eine Karte und ein Motorrad zur Verfügung. Als erstes suchten wir uns unser Quartier außerhalb der Stadt in einem Bugalow Beach Ressort. Dort luden wir unsere Rucksäcke ab und starteten unser Inselexpedition.

Einige Kilometer hinter der Stadtgrenze wich der Asphalt einem groben Schotter, der nur wenig an Straße erinnerte. Touristen waren hier keine unterwegs. Geschätzet 500 Mal sagten wir an diesem Tag „Hello“. Die Einheimischen waren sehr freundlich. Ich mit ein paar Kids Basketball auf einen selbstgebauten Korb, der an eine Palme geschraubt war (seht ihr auf den Fotos). Dafür dass der Ball gerade so durch den Ring passte, trafen sie erstaunlich gut.

Romblon ist sehr berühmt für seinen Marmor, der auch nach Übersee exportiert wird. Wir besuchten auch die Fabriken im Abbaugebiet und schauten den Männern zu, die den Marmor schnitten und den Frauen, die ihn mit schönen Verzierungen versahen. Bei den Temperaturen eine schweißtreibende Angelegenheit!

Als wir einmal in einem Dorf anhielten und mit einem kleinen Mädel spielten, waren wir plötzlich von einer Schar Kinder umgeben. Sie fanden es total lustig, sich selbst in dem Display des Fotoapparats zu sehen und wollten uns nicht so recht gehen lassen. Am Nachmittag machten wir noch einen kleinen Abstecher von der „Hauptstraße“ und besuchten ein Freibad mitten im Dschungel, von dem uns David, der Besitzer des Dehli-Cafés erzählt hatte. “Sensationell” umschreibt das Ganze am besten! Nach diesem interessanten Abstecher beendeten wir die 40 Kilometer lange Rundreise und kehrten nach Romblon City zurück. Dort gab es dann ein Abendessen auf dem Plaza-Hotel über den Dächern der Stadt.

Auf dem Weg in die Bungalow-Siedlung durchquerten wir noch ein Dorf, in dem eine Art Tanzspektakel stattfand. Dabei handelte es sich offenbar um eine Mischung aus Kampfsport und Tanz, die die Kinder dort praktizierten. Das ganze Dorf war hier versammelt. Erst als plötzlich alle unter einem Dach Schutz vor dem offenbar beginnenden Regenguss suchten, brachen auch wir wieder auf, da ein Schotterweg im Gewitter sicher kein Vergnügen gewesen wäre.

Nach dem Sonntagsfrühstück ließen wir uns noch von einem Einheimischen auf eine vorgelagerte Insel schippern, um dort noch ein wenig am Strand abzumatten. Leider war das Wochenende damit dann auch schon vorbei. Als wir unsere im Café abgestellten Sachen abholten und fragten, wann denn das Schiff den Hafen verlasse, bekamen wir zur Antwort:“Jetzt!“ Mit Rucksäcken beladen rannten wir zum Hafengelände. Die nächste Chance, auf direktem Wege von der Insel zu kommen, wäre zwei Tage später gewesen. Am Ticketschalter wurden wir beruhigt, Das Schiff verlasse erst in einer Stunde den Hafen, sagte ein Angestellter. Dann wurde er jedoch gleich von seiner Kollegin korrigiert, dass es schon in einer halben Stunde starte. Wir wollten es nicht darauf ankommen lassen, kauften schnell noch Wasser und Snacks und machten uns auf das Schiff. Bei philippinischen Zeitangaben muss man mitunter etwas vorsichtig sein.

Am nächsten Morgen um 4 Uhr waren wir zurück in Batangas und pünktlich zum Sonnenaufgang schließlich zurück in Manila. Auch wenn An- und Abreise per Boot etwas stressig waren, hat sich der Ausflug voll und ganz gelohnt. Das war sicherlich auch nicht der letzte Abstecher auf die Romblon Inseln. Besonders die wenigen Touristen und die phantastische Landschaft entschädigten für An- und Abreisestrapazen. Am nächsten Wochenende geht es höchstwahrscheinlich für vier Tage (diesmal allerdings mit Flugzeug) nach Palawan.


Ausflug in die verlassene Bucht

November 24, 2009

Wie lebt es sich ohne fließendes Wasser und Strom aus der Dose? Am letzten Wochenende entflohen wir erneut der Megametropole Manila in Richtung Norden, um genau das zu erleben.

zu den Fotoimpressionen der Tour

Zunächst nahmen wir einen Bus von Manila (Cubao) in Richtung Angeles. Den„Reiseleiter“ spielte diesmal unser Kumpel Roy alias Ron. Als Einheimischer wusste er bestens bescheid und unsere 11-köpfige Truppe konnte sich ihm vollkommen anvertrauen. In Angeles, dem ersten Zwischenstop, besuchten wir nach natürlich den berühmten Rotlichtbezirk. So etwas habe ich mein Leben noch nicht gesehen.

Nach einschlägigen Aufforderungen netter Mädels zum Verweilen, entschieden wir uns für „Antlantis“ – einen ziemlich beliebten Nachtclub. Unglaublich – als wir den Schuppen betraten, kam ich mir vor wie in einem riesigen Zirkus. Nur dass in der Manege keine Zauberer, Artistern oder Tiere umherliefen, sondern leicht bekleidetete mit Nummern versehene Mädchen tanzten. Wir bekamen eine Platz auf einem Balkon zugewiesen und beobachteten das zwiespältige Treiben. Einigen der Frauen stand ihre Minderjährigkeit förmlich ins Gesicht geschrieben. Unter den Gästen waren viele weiße Grauköpfe, die sich die jungen Mädels an den Tisch bestellten. Dazu holte die Kellnerin einen Laserpointer aus der Tasche und leuchtete das entsprechende Girl an. Das wusste dann sofort bescheid, wohin es musste.

Auf dem Sofa neben uns vergnügte sich ein alter Mann mit einem jungen Ding. Als ich hinüber schaute streifte ich den Blick des Mädels und entdeckte in den Augen etwas, das sagte: „Ich hab mir das hier nicht rausgesucht! Ich brauche einfach das Geld.“ Irgendwie ist es schon ganz schön ekelhaft, wie sich die “Reichen” hier ausleben. So warf eine Gruppe von Gästen den tanzenden Mädels in der Manege Geldscheine zu. Es entbrannte ein regelrechter Kampf um das Geld, gleich einem Schwarm Tauben, den man ein paar Brotstücke zuwirft. Ein absolut überhebliches Auftreten!

Gegen halb zwei verließen wir die die Kneipenmeile, besorgten uns in einem Supermarkt Proviant für die einsame Bucht und nahmen ein Jeepney zurück zum Busbahnhof. Als wir dort warteten, probierten Anja und Joseph Balut frisch von einem der vielen Stände. Dabei handelt es sich um etwas, das wie ein normales Frühstücksei aussieht. Allerdings ist es nicht von einer Henne, sondern von einer Ente und enthält bereits den Vogelembryo. Es gibt keinen besseren Snack um diese Zeit!

Als wir auf unseren Bus warteten,wurden wir sehr bald von den Kindern umringt, die an der Haltestelle Müll sammelten. Es war nachts halb 3 und die Kinder waren zwischen sieben und und 10.Ihr Bett bestand aus einem Pappkarton, denn sie mit sich herumtrugen.Und dennoch waren sie voller Lebenslust und sehr liebenswert. Sie sind die Veranschaulichung einer Statistik,die besagt, dass fünf Prozent der Filipinos 80% des Landesvermögens besitzen.Ohne Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung bleibt ihnen der der soziale Aufstieg wohl verwehrt.

Nachdem wir uns von den Kids verabschiedet hatten, nahmen wir einen Kleinbus nach ….Nach ungefähr 90 weiteren Fahrtminuten eingepfercht zwischen den eigenen Rucksäcken, heizten wir über die philippinischen Landstraßen. Als wir San Antonio erreichten, war es noch stockdunkel. Dennoch wurden wir, kaum ausgestiegen, schon von einem Dutzennd Einheimischen umringt, die interessiert abwarteten, was passiert. An den Ständen dampften schon wieder oder immer noch die Baluteier und andere kulinarische Köstlichkeiten. Roy sprach kurz mit einigen Einheimischen und wenig später befanden wir elf Leute uns verteilt auf vier Tricycles wieder und fuhren durch Dörfer der Dämmerung und der Küste entgegen. Nach 15 Minuten standen wir im absoluten Nirgenwo am Meer. Es war 5:30 Uhr am Morgen. An der Hütte, an der wir hielten, spielten zwei Jungs Billiard. Ich frage mich mittlerweile, ob Filipinos überhaupt schlafen?

Während wir am Strand auf unser Boot warteten, erhob sich die Sonne hinter den Hügeln. Etwa eine Stunde Bootsfahrt entlang der bergigen Küste später erreichten wir die Bucht, in der wir die nächsten 30 Stunden verbringen würden. Das türkisfarbene Wasser war so flach, dass wir das Boot schon 100 Meter vom Strand verlassen mussten. Die Familie, die an dem Strand hauste, an dem wir anlegten, nahm uns sofort sehr freundlich auf. Sie lebten in einfachen Hütten aus Holz und Stroh. Das Trinkwasser pumpten sie aus dem Boden. Elektrizität gab es keine. Die Toilette war ein umzäuntes Loch. Darin befand sich auch die Dusche.

Ankunft in der einsamen Bucht

Wir schmissen uns als erstes in das Wasser, dass fast Badewannentemperatur hatte. Für eine kleine Abkühlung mussten wir schon ein paar hundert Meter weit rauslaufen! Ja, laufen, denn es war absolut flach! Den ganzen Vormittag über holten wir den ausgelassenen Schlaf der Nacht nach.Dabei wanderte die Sonne aber auch in den ein oder anderen ursprünglich schattigen Schattenplatz, was mir einen schönen Sonnenbrand einbrachte.

Am späten Nachmittag sammelten wir etwas Holz fürs Lagerfeuer. Unsere „Gastgeber“ hatten für uns einige prächtige Fische gefangen. Dazu gab es dann (was sonst?) Reis. Selbst Tobi, der unter normalen Umständen eher anfangen würde Holz zu essen als in ein Tier aus dem Meer zu beißen, aß davon! Und ich bin mir sicher, es schmeckte ihm! Die Nacht verbrachten wir dann am Lagerfeuer und stillten unseren Durst mit unterschiedlichen Destillaten (Wasser war schließlich kostbar und musste gespart werden! ;-) .

Group Picture

Zu später Stunde ging`s dann zum Nach(k)t- Baden ins Meer. Wer sich dabei im Schutz der Dunkelheit wiegte, erlebte unter Wasser dann aber ein faszinierendes Schauspiel. Bei jeder Bewegung der Gliedmaßen im schwarzen Südchinesischen Meer, erleuchtenden hunderte kleiner Sterne im Wasser. Bei kurzem Innehalten verschwanden sie dann jedoch genau so schnell wieder. Wir vermuteten Plankton dahinter. Das hat sich mittlerweile bestätigt. Es handelte sich um kleine einzellige Planktonarten, die Biolumineszenz erzeugen. Der Sinn dahinter ist wohl der, dass wenn Fressfeinde des Planktons in der Nähe sind, die Einzeller zu leuchten beginnen und damit Fische anlocken,die wiederum Fressfeinde der Fressfeinde des Planktons sind. Alles klar!?

Studieren ist in erster Linie Lernen ;-)

Am nächsten Morgen wachte ich dann mit üblen Kreuzschmerzen in einer Hängematte auf. Meine Wirbelsäule hatte wohl über Nacht ihre Form angenommen. Den ganzen Vormittag verbrachte wir in erster Linie mit Rumliegen. Im Anschluss daran wanderten wir noch 15 Minuten zu einem Bergbach. Dort konnten wir uns endlich im nur lauwarmen Wasser ein wenig abkühlen und nebenbei ein wenig über die Steine klettern. Nach dem Mittagessen (Reis spielte wieder eine Hauptrolle) brachen wir dann wieder in Richtung Zivilisation auf. Die Bootsfahrt gestaltete sich angesichts des Wellengangs und dem Gezeche am Vorabend noch einmal als kleine Herausforderung.

Wieder festen Boden unter den Füßen ging es erneut mit dem Tricycle zur Bushaltestelle in San Antonio. Nachdem Roy hier irgendeinen Bus anhielt, fuhren wir dann im Stehen bis – ich weiß nicht wohin – während uns die Klimaanlage zumindest temperaturmäßig nach Europa versetzte. Wie auf jeder Busfahrt lief auch hier wieder ein Gemetzel-Film nach dem anderen. Kurz nach 21:00 Uhr waren hat uns die City wieder. Gern wäre ich noch eine Weile auf der Insel geblieben, aber davon gibt es ja hier noch ein paar, die alle entdeckt werden wollen.

zu den Fotoimpressionen der Tour



Jetleg, Hitze und nur mit Schuhen kochen

November 10, 2009

Nach knapp einer Woche im Land der Mangos habe ich endlich mal eine ruhige Minute gefunden, um meine ersten Eindrücke festzuhalten.

Blick vom Balkon

weitere Fotos von Manila

Um hier anzukommen waren insgesamt 5 Stunden in Zügen, 14 Stunden in Flugzeugen und dann nochmal 2 Stunden in einem Taxi nötig. Genug Zeit, um sein natürliches Zeitgefühl zu verlieren. Verlief auf dem Flug von Frankfurt nach Dubai noch alles in geregelten Bahnen, so erwachte ich auf dem anschließenden Flug nach Manila im Dunklen Flugzeug. Welche Tageszeit war es? Wo waren wir? Vor mir stand ein Mahlzeit, aber es hnadelte sich nicht um Frühstück, dass ich eigentlich erwartet hatte. Dann bemerkte ich, dass die Fenster des Flugzueuges fast alle verdunkelt waren, damit die Passagiere den Inhalt ihrer Multimediamonitore erkennen konnten.Ich schob mein Fensterverdeck vorsichtig nach oben und wurde sofort von intensiven Sonnenstrahlen geblendet. Willkomen im Jetleg!

Unter uns war nichts als blaues Meer. Ich hatte irgendwie einen Tag verpasst, aber Tage vergehen wohl auch schneller wenn man  sich mit 900 Kilometern in der Stunde nach Osten bewegt. Auf dem Monitor vor mir ist ein Flugzeug schematisch von oben abgebildet. Daruntere ist alles blau. Nichts als Meer also Plötzlich taucht am linken Bildrand wieder etwas Land auf, aber eher in kleinen Flecken. Das müssen sie sein, die ersten Inseln, die zu den Philippinen zählen.Erwartungsvoll schaue ich nach unten, doch nichts. Jetzt kommt auch aus dem Cockpit die Ansage, dass der Landeanflug beginnt. Wieder blicke ich nach unten, doch immer noch nichts. Laut dem Bildschirm vor mir müssten wir jetzt schon direkt über den Flecken im Wasser sein. Ein erneuter Blick nach unten und tatsächlich ist da auf einmal eine Insel zu sehen. Jeder der schon einmal geflogen ist, kennt die Perspektive. Das ganze kommt dem Blick auf die Landschaft einer Modeleisenbahn sehr nahe Nur das es auf der Insel weder Schienen noch Straßen zu geben schien. Es musste eine der ca.7000 zum Archipel gehörenden Inseln sein, von denen nur die wenigsten bewohnt sind. Plötzlich tauchten weitere auf. Zwischen ihnen waren kleine Fischerboote auszumachen.

Plötzlich wichen die das Wasser unter uns einer Landschaft aus Hütten,Häusern und Autos. Wir hatten die Supermetropele – das Moloch Manila erreicht.

Die Einreise verlief reibungslos.Nachdem man uns mit einer Wärmebildkamera durchleuchtet hatte,  und wir unser Gepäck heil wiederfanden, konnten wir einreisen in unsere neue Heimat für die nächsten Monate.

Als wir das klimatisierte Flughafengebäude verließen, um uns ein Taxi zu suchen, kam uns ein Schwall tropischer Luft entgegen. Sofort umgab uns eine feuchte Hitze, obwohl keine Sonne schien. Als wir  dann mit verschwitzen T-Shirt ins Taxi stiegen, ging es von einem ins andere Extrem. Die Klimaanlage verwandelte die Fahrzeuginnenraum in einen Kühlschrank. Was wir erst als angenehm empfanden, wurde später noch richtig kalt. Die Vorstellung, dass wir nicht so lange im Auto unterwegs sein würden, erwies sich im Feierabendverkehr einer Stadt mit ca. 18 Mio Einwohnern als sehr optimistisch. Nach ca.2 Stunden voller Hupen, Drängeln und Gas geben und Bremsen erreichten wir schließlich unser Hostel. Ich habe dieses Jahr ja schon osteuropäischen Straßenverkehr erlebt, aber das, was wir hier erlebten, übertraf alles! Hier regiert das Recht des lauteren. Auf einer 3-spurigen Hauptstraße rollte eine Blechlawine aus Autos, LKWs, Mopeds, Jepneys in 10er- Reihen nebeneinander. Wer blinkt hat keine Chance – nur wer hupt und Gas gibt, kommt voran.

Nach der nervenaufreibenden Taxifahrt waren wir einfach nur froh, endlich das Hostel erreicht zu haben.  Dort trafen wir Tobi, der schon seit einigen Wochen durch Südostasien getourt war.

Viel Zeit zum Durchatmen blieb uns nicht. Nach einem kleinen Abstecher in die Straßen von Quezon City (Name unseres Stadtteils), kamen wir dann gegen vier ins Bett.

Nachdem wir dann den Rest der Woche in einem Hostel verbracht haben, leben wir seit Sonntag in unserer eigenen Wohnung mit einem herrlichen Blick über den Campus der Ateneo de Manila University. Die Zeitumstellung und die tropischen Temperaturen hat unser Körper aber immer noch nicht verstanden. Selbst, wenn wir nicht ausgehen, kommen wir selten vor um drei morgens ins Bett.

Da wir das hier verbreitete American Junkfood hing uns schon nach ein paar Tagen zum Hals raus. Als wir das erstemal selbst kochten, entpuppte sich das auch als Abenteuer. Als Tobi seine Finger ins Wasser  im Topf steckte, durchfuhrihn ein leichtes Kribbeln. Um sicher zu gehen, dass er sich das nicht eingebildet hatte, ließ er mich freundlicherweise auch noch mal probieren. War in etwa was Gefühl, als wenn man an einen Weidezaun fasst! Am nächsten Tag erklärte uns unser Vermieter, dass auf den Philippinen der Strom nicht geerdet ist. Das bedeutet für uns jetzt, nicht mehr barfuß zu kochen ;-)

Am kommenden Wochenende entfliehen wir das erste Mal der Stadt und suchen uns nördlich Manilas eine schöne Insel.

Bis dahin!

Martin



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