Video der Pragtour 2011 online

Mai 5, 2011

Auch in diesem Jahr radelten wir die 230 Kilometer über das Erzgebirge bis in die tschechische Hauptstadt. Und auch diesmal blieben Pannen nicht aus. Aber es gab wieder etwas Neues. Achsenbruch und Platten hatten wir ja alles schon bei vorangegangenen Touren. Aber eine gerissene Kette noch nicht! Dank Kettennieter war das Problem jedoch innerhalb von wenigen Minuten behoben. Was uns eher noch zu schaffen machte, war das Wetter, das pünktlich zur ersten längeren Abfahrt von sonnig auf gewittrig umschlug. Einige Kilometer mussten wir im strömenden Regen kurbeln.

Aber die Prag-Tour ist ja schließlich keine Kaffeefahrt! ;-)


Chinesische Mauer und die verbotene Stadt

April 17, 2010

Zu den Photos geht es hier!

Nachdem wir bereits am Mittwoch erfolgreich unser Ticket für die Transsib von Peking über die Mandschurei nach Moskau gekauft hatten, stellten wir danach fest, dass die Visastelle der Botschaft schon geschlossen hatte. Für die Route brauchen wir aber unbedingt ein 10 Tage geltendes Transitvisum für Russland.


 


Mit dem Zug zurück nach Deutschland

März 4, 2010

Nach 2 Wochen Studium am Stück in Manila geht es jetzt auf zum letzten großen Reisen auf den Philippinen. Heute Abend beginnt es mit einer Busfahrt nach Legaspi, um am Wochenende die größten Fische der Welt zu beobachten – die bis zu 18 Meter langen Walhaie. Auch auf dem Programm steht der „schönste“ Vulkan der Welt, der vor einem Monat wieder einmal gebrodelt hat – der Mt. Mayon.

Im Anschluss daran geht es dann noch einmal auf eine kleine Rundreise. Es beginnt mit Boracay, dem touristischen Traumstrand der Philippinen. Dort werde ich Roy, einen philippinischen Freund besuchen. Danach fahre ich mit Coco noch einmal nach Romblon Island, um etwas Abgeschiedenheit zu genießen.

Nach einem kurzen Zwischenstop in Manila geht es dann weiter über Dumaguete nach Siquior, einer kleine Insel im Süden der Philippinen.

Anschließend mache ich noch einen Abstecher nach Taipeh. Dann geht es nach Sagada und Banaue, um die Reisterassen und die hängenden Särge zu bestaunen. Ostern schauen wir uns noch die menschlichen Kreuzigungen in San Fernando an.

Anfang April werde ich mit Tobi die Rückreise nach Deutschland antreten. Zunächst sind dabei Zwischenstops in Shanghai und Peking geplant. von dort geht es auf dem Landweg mit der transsibirischen Eisenbahn weiter bis Moskau und schließlich nach Berlin.

Es wird also noch einiges zu berichten geben…

Bis bald,

Der Radlausicker


Willkommen im Jahr des Tigers

Februar 19, 2010

Photos of Hong Kong now online @ Flickr

Am vergangenen Wochenende reisten Tobi und ich zum chinesischen Neujahr nach Hong Kong. Blöderweise hatten wir beim Buchen des Fluges nicht bedacht, dass wir keine Unterkunft haben würden, wenn wir Freitag nachts um 1 ankommen. Also machten wir es uns auf den Sitzbänken im Terminal bequem, um den Tag abzuwarten. Gegen 7 kam dann auch Cocos Flieger in Hong Kong an, so dass wir sie noch einsammelten und dann gemeinsam in die Stadt fuhren…


Erste Impression aus Hong Kong

Februar 17, 2010

Erste "Out of Camera"- Impression aus Hong Kong


Feuerwerk ueber dem Fischlöwen

Dezember 30, 2009

Nach einem wirklich besinnlichen Weihnachtsfest gemeinsam mit unseren spanischen Freunden in Manila brachen Tobi und ich nach Singapur auf, dem 5 Millionen Stadtstaat im Sueden des malayischen Festlandes.

Waehrend wir im Flugzeug sitzen, bekommen wir die Immigrationsdokumente, die jeder Einreisende auszufuellen hat. Darauf findet sich der fett in Rot abgedruckte Hinweis:  “Todesstrafe fuer Drogendealer”. Auch wenn man damit nichts zu tun hat, fuehlt man sich schon einwenig komisch, wenn man dieses Wort aus einer scheinbar laengst vergangenen Zeit ploetzlich vor sich sieht. Auch sonst sind die Gesetze hier sehr radikal. So sind Kaugummis verboten. Nur wenn eine medizinische Rechtfertigung besteht, darf hier auf der Strasse herumgekaut werden. Wer dabei erwischt wird, wie er seine Zigarette oder seinen Muell einfach fallen laesst, kann mit bis zu 10000 Sigapur-Dollarn (5000 Euro) Strafe rechnen. Wer mit seinem Rad eine Fussgaengerunterfuehrung durchquert, wird auch sehr viel Geld los. Ich glaube zwar nicht, dass haertere Strafen automatsiche bessere Menschen hervorbringen, aber zumindest was Sauberkeit angeht, liegen hier Welten zwischen unserer philippinischen Heimat auf Zeit und dem einzigen souveraenen Stadtstaat Suedostasiens. Man sieht kaum Papier oder anderen Abfall herumliegen.

Die ersten Tage hatten Tobi und ich ein Hostel in Chinatown. In Singapur haben die Chinesen einen Bevoelkerungsanteil von ungefaehr 80 Prozent. Dennoch gibt es hier ein Integrationsmodel, das versucht, die verschiedenen Kulturen schon hinsichtlich ihres Wohnraumes zu durchmischen. Deshalb wohnen in den ganzen Bloecken der Stadt zum Beispiel eben 80 Prozent Chinesen. Alle Bevoelkerungsgruppen werden entsprechend ihres Anteil an der Gesamtbevoelkerung verteilt.

Die ersten Tage streiften wir hauptsaechlich durch Chinatown und testeten alle Foodmarkts ausgiebig. Hier kann man fuer 1 Euro richtig gut essen. Aber es gab auch ekelhafte Erlebnisse. Als wir einmal vor dem Suessigkeitenregal in einem Supermarkt standen, roch es auf einmal so gar nicht suess. Ich schaute um die Ecke und konnte nicht glauben, was sich dort in eimem Glaskasten fand.

Da waren 6 Schildkroeten, denen der Panzer entfernt worden war und die gerade elend im “Schaufenster” krepierten. In einem anderen Laden stand aussen dran, dass man nicht fotografieren durfte. Als wir drin waren, wurde uns auch bald klar warum. Greenpeace haette sicher ein gefundenes Fressen, wenn sie sehen wuerden, wie hier mit Tieren umgegangen wird. um etwas von der “heilenden” oder “belebenden” Wirkung zu haben.

Gestern bin ich allein mit meinem Stativ durch den Merlon-Park gezogen und hab mir das Wahrzeichen Singapurs, den Merlon angeschaut. Dabei handelt es sich um einen Fisch mit Loewenkopf, der an den Ursprung der Stadt als kleines Fischerdorf erinnert. Da ich hier keine Moeglichkeit habe, die Fotos zu entwickeln, gibt es die erst im neuen Jahr, wenn ich wieder zurueck in Manila bin.

Tobi und ich werden jetzt noch ein paar Tage auf der Insel verbringen, ehe der Ernst des Studiums weitergeht.

Bis dahin,

Euer Martin der Radlausicker


Motorradtour auf Romblon Island

Dezember 1, 2009

Am letzten Wochenende brach ich gemeinsam mit Coco, einer netten Französin, auf Romblon Island zu erkunden. Allerdings war die Anreise mit einigen Hindernissen verbunden.

Hier geht es zum Fotoalbum der Tour!

Da am Montag Feiertag auf den Philippinen war, war die Straße zur Hafenstadt Batangas vollkommen verstopft und wir brauchten fast vier Stunden für die Strecke von etwa 70 Kilometern. Als wir dann kurz vor der planmäßigen Abfahrtszeit am Hafen eintrafen, rannten wir zum Ticketschalter, wo man uns mitteilte, das nächste Schiff nach Romblon gehe am Samstag. Heute wäre nur das benachbarte Tablas Island möglich. Wir hatten uns allerdings nicht getäuscht und legten auch den Ausdruck von der Website vor, worauf die Frau am Schalter auch nichts weiter sagte, außer dass uns ja eh keine Alternative blieb. Also zwei Tickets für die falsche Insel in der Tasche ging es auf die Reise.

Auf dem Boot kamen wir gleich mit einer philippinischen Familie ins Gespräch, die uns erst mit Essen versorgten und als ich sagte, dass ich Deutscher bin, wurden auch schon die Familienfotos herausgeholt, da ihre Tochter einen Deutschen Freund hatte, der noch dazu aussah wie ich (ihrer Meinung nach ;-) . Gegen 3 Uhr morgens standen wir also in dem Örtchen Odiogan auf der falschen Insel. Aber nach einer 2-Stunden – „Busfahrt“ durch den Dschungel kamen wir in St. Agustin an. Von dort nahmen wir die Fähre nach Romblon. Gegen 8:00 Uhr betraten wir dann auch die richtige Insel. Nach einem Frühstück im Dehli-Café, indem wir den Besitzer David trafen, hatten wir dann auch eine Karte und ein Motorrad zur Verfügung. Als erstes suchten wir uns unser Quartier außerhalb der Stadt in einem Bugalow Beach Ressort. Dort luden wir unsere Rucksäcke ab und starteten unser Inselexpedition.

Einige Kilometer hinter der Stadtgrenze wich der Asphalt einem groben Schotter, der nur wenig an Straße erinnerte. Touristen waren hier keine unterwegs. Geschätzet 500 Mal sagten wir an diesem Tag „Hello“. Die Einheimischen waren sehr freundlich. Ich mit ein paar Kids Basketball auf einen selbstgebauten Korb, der an eine Palme geschraubt war (seht ihr auf den Fotos). Dafür dass der Ball gerade so durch den Ring passte, trafen sie erstaunlich gut.

Romblon ist sehr berühmt für seinen Marmor, der auch nach Übersee exportiert wird. Wir besuchten auch die Fabriken im Abbaugebiet und schauten den Männern zu, die den Marmor schnitten und den Frauen, die ihn mit schönen Verzierungen versahen. Bei den Temperaturen eine schweißtreibende Angelegenheit!

Als wir einmal in einem Dorf anhielten und mit einem kleinen Mädel spielten, waren wir plötzlich von einer Schar Kinder umgeben. Sie fanden es total lustig, sich selbst in dem Display des Fotoapparats zu sehen und wollten uns nicht so recht gehen lassen. Am Nachmittag machten wir noch einen kleinen Abstecher von der „Hauptstraße“ und besuchten ein Freibad mitten im Dschungel, von dem uns David, der Besitzer des Dehli-Cafés erzählt hatte. “Sensationell” umschreibt das Ganze am besten! Nach diesem interessanten Abstecher beendeten wir die 40 Kilometer lange Rundreise und kehrten nach Romblon City zurück. Dort gab es dann ein Abendessen auf dem Plaza-Hotel über den Dächern der Stadt.

Auf dem Weg in die Bungalow-Siedlung durchquerten wir noch ein Dorf, in dem eine Art Tanzspektakel stattfand. Dabei handelte es sich offenbar um eine Mischung aus Kampfsport und Tanz, die die Kinder dort praktizierten. Das ganze Dorf war hier versammelt. Erst als plötzlich alle unter einem Dach Schutz vor dem offenbar beginnenden Regenguss suchten, brachen auch wir wieder auf, da ein Schotterweg im Gewitter sicher kein Vergnügen gewesen wäre.

Nach dem Sonntagsfrühstück ließen wir uns noch von einem Einheimischen auf eine vorgelagerte Insel schippern, um dort noch ein wenig am Strand abzumatten. Leider war das Wochenende damit dann auch schon vorbei. Als wir unsere im Café abgestellten Sachen abholten und fragten, wann denn das Schiff den Hafen verlasse, bekamen wir zur Antwort:“Jetzt!“ Mit Rucksäcken beladen rannten wir zum Hafengelände. Die nächste Chance, auf direktem Wege von der Insel zu kommen, wäre zwei Tage später gewesen. Am Ticketschalter wurden wir beruhigt, Das Schiff verlasse erst in einer Stunde den Hafen, sagte ein Angestellter. Dann wurde er jedoch gleich von seiner Kollegin korrigiert, dass es schon in einer halben Stunde starte. Wir wollten es nicht darauf ankommen lassen, kauften schnell noch Wasser und Snacks und machten uns auf das Schiff. Bei philippinischen Zeitangaben muss man mitunter etwas vorsichtig sein.

Am nächsten Morgen um 4 Uhr waren wir zurück in Batangas und pünktlich zum Sonnenaufgang schließlich zurück in Manila. Auch wenn An- und Abreise per Boot etwas stressig waren, hat sich der Ausflug voll und ganz gelohnt. Das war sicherlich auch nicht der letzte Abstecher auf die Romblon Inseln. Besonders die wenigen Touristen und die phantastische Landschaft entschädigten für An- und Abreisestrapazen. Am nächsten Wochenende geht es höchstwahrscheinlich für vier Tage (diesmal allerdings mit Flugzeug) nach Palawan.


Donautour Teil 2 – Von Donaueschingen nach Passau

Oktober 6, 2009

Als wir am Morgen unseres ersten Tourtages aufwachten, hatte sich das Gewitter verzogen. Zunächstt suchten wir nach der symbolischen Donauquelle. Leider, so sagte uns ein Mann, sei die Zufahrt gerade eine Baustelle und wir müssten die Räder stehen lassen und die Treppe hinabsteigen. Das kam natürlich nicht in Frage, da die Räder auf dem Startfoto nicht fehlen durften. Wir wollten schließlich nicht die Donau entlang wandern. Wir schleppten als jeder unsere 40kg Fahrrad die Treppe hinunter. Nach einem kräftigenden Schluck aus dem „Quellbecken“ traten wir endlich richtig in die Pedalen. Zunächst querten wir den Nationalpark „Obere Donau“. Beeindruckende Felsformationen hoben sich zu beiden Seiten der Donau empor. Der Radweg führte fernab jeder Straße durch das Tal. So schön der Radweg und die Landschaft auch waren, die Tatsache, dass wir ständig die gleichen Radfahrer überholten und uns unsereseits bei einer Rast von ebendiesen überholen ließen, senkte den Abenteuerfaktor tagsüber gen Null. Erst als es dämmerte und es um die Schlafplatzsuche ging, wurde es wieder spannend.

Am Donauufer gibt es unzählige unberührte Plätze, die sich zum Zelten anbieten. Allerdings befanden wir uns bei Einbruch der Dunkelheit oft in Naturschutz- oder Industriegebieten. Da war schon viel Kreativität gefragt. Einige Male fuhren wir bis es stockdunkel war und suchten uns im Licht der Kopflampen einen Platz zum Zelten. Größtenteils nächtigten wir in unmittelbarer Ufernähe. Am Morgen unseres 5. Tages bemerke neben unserem Zelt mit einer Zahl: „2447,6“. So viele Kilometer müssen es noch zur Mündung sein. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es doch einige Kilometermehr werden würden. An diesem Tag besuchten wir auch das Kloster Weltenburg, dass ich schon von früheren Ausflügen kannten. Währen Manu das Kloster skizzierte, beobachte ich die Szenerie. Je länger ich einfach nur da saß, umso dominanter wurde der Eindruck, die meisten Besucher waren hier nicht wegen des Klosters, sondern wegen des Biergartens:-)

Als wir wenig später Regensburg erreichten, stellten wir gewisse Ähnlichkeiten der bisher durchquerten Städte an der Donau fest. Am 6. Tag wollten wir eigentlich in Österreich einrollen. Allerdings überkamm uns die Dämmerung kurz hinter Passau und so schlugen wir unser Nachtlager hinter einem Maisfeld auf.

Die Temperaturen fielen in den einstelligen Bereich, so dass wir uns selbst im Schlafsack unsere langen Hosen anziehen mussten. Wir hofften, dass die Temperaturen sich auf unserere weiteren Reise nach Südosten stetig wärmer werden würde. Diese Annahme sollte sich noch als Trugschluss erweisen. Nach 5 Tagen Fahrt hatten wir den deutschen Teil der Donau hinter uns gebracht und befanden uns auf der Mainstream-Etappe von Passau nach Wien.


Donautour Teil 1 – Eine Zugfahrt die ist lustig…

Oktober 4, 2009

Normalerweise wollte ich dieses Kapitel außenvor lassen, da es nichts mit der eigentlichen Tour zu tun hat. Aber dann fand ich es doch zu prägnant, um es einfach fallen zu lassen.

Es ist der Morgen des 1. Septembers als ich die letzten Spanngurte über die Taschen ziehe und Gina, so der Name des Stahlrosses, die Kellertreppe hochhieve. Die Sonne scheint und es sieht nach einem warmen Tag aus. Zu schade eigentlich, dass wir seinen größten Teil in Zügen verbringen werden. Aber wir haben uns nun Mal die Quelle der Donau als Startpunkt unserer Tour ausgewählt. Mit uns meine ich Manu und mich. Zu zweit wollen wir die ca. 3000 Kilometer gen Osten gemeinsam mit dem nach der Wolga zweitlängsten Fluss Europas bewältigen.

Viele Fragen drehten sich in meinem Kopf. Passt die Chemie zwischen uns? Halten wir es 4 Wochen zusammengepfercht aus? Wie gut kann man die osteuropäischen Straßen mit dem Fahrrad befahren? Was für Menschen werden wir treffen? Sind wir auf alles vorbereitet? Nur eine Frage stellte ich nicht. Die Frage, ob die Tour erfolgreich verlaufen würde. Zwar war es genau das , was uns von vielen Freunden gewünscht worden war, aber was will man uns sonst mit auf den Weg geben? Nur was bedeutet Erfolg schon bei einem Abenteuer, und als solches haben wir Tour von Anfang an begriffen. Uns war absolut bewusst, dass das kein 4-wöchiger Campingurlaub werden würde. Eine solche Naivität wäre schon in der ersten Nacht bestraft worden, wie sich noch zeigen sollte.

Am Leipziger Hauptbahnhof traf ich auf Manu und meine Schwester. Nachdem wir uns verabschiedet hatten, starteten wir unserer erste Tagesetappe auf Schienen. Das „Quer durch Deutschland“ -Ticket bot zwar eine günstige, aber leider auch eine sehr langwierige Möglichkeit zur Donauquelle zu gelangen. Da wir im wahrsten Sinne des Wortes quer durchs Land mussten, war das mit zahlreichen Umstiegen verbunden. Der Zug von Zwickau nach Hof war proppevoll. Leider sind nur die Abteile klimatisiert, nicht die Bereiche dazwischen, in denen sich immer die Fahrradplätze befinden. Bei schöner Sonneneinstrahlung durchs Fenster entwickelt sich da schnell ein angenehmes Klima. Idealerweise befinden sich in diesen Bereichen auch immer die Toiletten, deren Schiebetüren sich bei jedem Bremsen wie von Geisterhand öffnen. Und Regionalzüge halten wirklich sehr oft. So hatten wir schon bald eine Luftgemisch aus Schweiß und Klostein, dass sich auch in der Stimmung einiger Fahrgäste niederschlug. Menschen schoben sich aneinander vorbei und maulten sich an, wenn sie sich vom anderen in ihrer Bewegungsfreiheit tangiert fühlten.

Das Ganze gipfelte darin, dass die Fahrgäste aus den Abteilen sich bereits eine Viertelstunde vor der Ankunft in Hof ihre Polposition für den Ausstieg sichern wollten und aus den Abteilen drängten, bis die Gänge vollends zugestopft waren und ich mir allmehlig wirklich wie eine Wiener im Glas im vorkam. Eine älterer Herr, der den Andrang auf die Ausgänge verpasst hatte, nutze die clever die Gunst der Stunde und drängte sich etwas ungestüm und mit missfälligen Bemerkungen anderer Fahrgäste bedacht durch die Reihen. Als er direkt auf sein plumpes Verhalten angesprochen wurde und aufgefordert wurde, sich wie alle anderen hinten einzureihen, entfuhr es aus ihm in ungeheurer Lautstärke: „Ich muss mal aufs Klo!“ Manu und ich schauten uns an und wir mussten unweigerlich loslachen. Ob Erich Kästner seinen Vergleich von Erwachsenen und Kindern auf solche Ausprägungen beziehen wollte?

Einige Stunden und erheiternde Ereignisse dieser Art später kamen wir gegen 21 Uhr in Donaueschingen an. Es war bereits dunkel als wir vor dem Bahnhof den Stadtplan nach der Donauquelle absuchten. Während es den ganze Tag blauen Himmel gegeben hatte, begann nun ein leichter Nieselregen, der binnen Sekunden zu einem kleinen Schauer heranwuchs. Wir stellten uns kurz unter und packten die Stirnlampen aus. Als der Regen etwas nachgelassen hatte, blickten wir kurz auf den Kompass und fuhren los. Leider wurde der Regen nicht weniger und wir entschieden uns lieber schnellst möglich einen Schlafplatz zu suchen. Während wir in eine gut gepflegte Parkanlage fuhren wurde die Landschaft aller paar Sekunden taghell beleuchtet. Es blitzte und donnerte ununterbrochen und das Wasser floss jetzt in Strömen. Während wir an einer alten Scheune vorbeifuhren sah ich im Blitzlicht eine kleine Hütte am Wegesrand. Ich kehrte um und fuhr hin. Erst als meine Kopflampe das innere ausleuchtete, erkannte ich, dass wir hier zu spät waren. Ein Obdachloser hatte sie schon besetzt. Also fuhren wir weiter. Das Gewitter war jetzt offensichtlich genau über uns. Wir bogen in einen kleinen Weg ab, der aber in ein sehr sumpfiges Unterholz führte. Da konnten wir kein Zelt aufschlagen, schon gar nicht bei dem Regen.

Schließlich fanden wir einen Wohnmobilstellplatz und waren schon fast dabei, unser Zelt daneben aufzubauen als ich wieder im Blitzlicht ein großes Überdachtes Rondell erblickte – mitten auf einer Weide. Tatsächlich fanden wir dort unsere trockenen 10 Quadratmeter mitten in dem Unwetter. Wir bracuhten nicht einmal ein Zelt aufzubauen. Während wir unsere Matten auf dem Holzboden ausrollten, ließ auch der Regen nach. Wir erlebten den ersten Härtefall also schon vor der eigentlichen Tour – was sollte da auf uns zukommen? Erschöpft von diesem ersten kleinen Kraftakt schliefen wir bald ein.


Das Tor zum Osten erreicht

September 9, 2009

Zunächst einmal Asche über mein Haupt, dass es nun doch erst Mittwoch geworden ist mit unserer Ankunft in Wien und damit mit einem ersten richtigen Blogbeitrag.

Die ersten 950 Kilometer haben wir seit unserem Start letzten Mittwoch bereits hinter uns gelegt. Bis zum Schwarzen Meer bleiben jetzt nur noch gut 2000 Kilometerchen. Nach unserer Ankunft am Bahnhof in Donaueschingen begann es wie bestellt zu regnen. Kein gutes Omen und so sollte es auch an den kommenden Tag vor allem nass bleiben. Der Vorteil war, dass keine Tagestouristen auf der Strecke waren, der Nachteil: alle Klamotten nass und nässer. Doch ab Donauwörth wurde das Wetter zunehmend besser und in Regensburg (wie sollte es auch anders sein) erwischte uns dann noch einmal richtig. Die Nässe und die Langfingerhandschuhen und dem Fleece-Pullover zwei Ausrüstungsgegenstände unersetzbar gemacht, die beinahe aus der Packliste geflogen wären. Mittlerweile haben wir keinen Regen mehr, aber die nächtlichen Temperaturen bewegen sich im einstelligen Bereich. Wir hoffen auf höhere Temperaturen im Süden.

Der Radweg bis Wien war bisher so gut ausgeschildert, dass wir bisher überhaupt keine Karte benötigt haben, Nur in Bayern war die Beschilderung anfangs etwas dürftig, so dass wir uns auf Feldwegen und stark befahrenen Hauptstraßen wiederfanden. Zwischen Passau und Wien waren erwartungsgemäß sehr viele „Light-Tourer“ unterwegs. Aber der richtige Andrang erstreckte sich nur auf die Ortschaften. Vor Linz fuhren wir einmal Straßen, weil der Radweg daneben mit einem langsam dahinrollenden Feld von Radtouristen überfüllt war.

Jetzt übernachten wir in Wien das erste Mal seit Tourbeginn nicht draußen, sondern bei dem netten Tino (leider ist der Anhänger mit Gastgeschenken in der Donau verloren gegangen ;-) Das fühlt sich schon recht ungewohnt an, wenn man sich mal nicht mit eiskaltem Flusswasser waschen muss. Hier haben wir auch Gelegenheit unsere Ausrüstung noch mal zu sortieren für das eigentliche Abenteuer vorbereiten. Morgen steht etwas Stadtbesichtigung auf dem Programm. Anschließend verlassen wir dann auch schon wieder Österreich und rollen Richtung Bratislava.

Jetzt genug für jetzt, denn erstens sind die Finger vom Lenker halten noch n wenig taub und zweitens will Tino jetzt ins Bett.

Neues dann aus…Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien und Rumänien ….

Bis denne!

Martin


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