Über keine Gewinner und Verlierer

Februar 22, 2010

Vorbei an kleinen Imbissständen zwängen wir uns durch ein kleines Tor. Noch schnell 20 Peso Eintritt durch einen Spalt in der Wand gereicht und schon stehen wir inmitten der Arena. Die vier hölzernen Tribünen werden durch einen Zaun von der in der Mitte liegenden Manege getrennt. Der Zaun ist mit einer dünnen Glasscheibe versehen, an der frisches Blut klebt. Der gelbe Sand und der Geruch nach Tier erinnern mich sofort an einen Zirkus. Auch der Mann im Mitte der Arena, der mit seinem Auftreten die Leute anzuheizen scheint, hat etwas von einem Clown. Würde man bei einem Boxkampf Sanitäter mit Sani-Kasten erwarten, so stehen hier ein paar Besen und Eimer parat und ein paar Frauen, die auf ihren Einsatz damit warten. Es sind die einzigen Frauen in der Hahnenkampfarena an diesem Sonntag Morgen. Denn Hahnenkampf auf denPhilippinen ist Männersache.

Plötzlich wird es laut in der Arena. Zwei Männer mit ihren beiden Hähnen betreten den Ring. Nachdem sie die beiden kontrahierenden Hähne gemustert haben, beginnen die Männer auf den Tribünen ihre Wetten abzugeben. In der Zwischenzeit werden die beiden Hähne einander vorgestellt, indem man sie dicht aneinander hält. Sofort wird die gegenseitige Rivalität klar, da sie bereits jetzt versuchen aufeinander einzuhacken und nur von den Händen ihrer Besitzer zurück gehalten werden. Diese nehmen jetzt wieder in unterschiedlichen Ecken des Ringes Platz, während die Zuschauer weiter lautstark ihre Wetten abgeben. An den Krallen der Hähnen funkeln die Klingen der festgezurrten Rasiermesser, die tödlichen Waffen in einem Kampf, den wohl nur einer überleben wird. Für die Hähne heißt es töten oder getötet werden, für die Zuschauer Geld gewinnen oder verlieren.

Nachdem offenbar alle ihre Scheine gesetzt haben, bekommt eine Art Ringrichter die beiden Hähne übergeben. Mit höchster Anspannung positioniert er die beiden Kontrahenten im Ring und zieht dann ruckartig seine Hände zurück. Der Kampf ist eröffnet. Die beiden Hähne laufen zunächst im Kreis, ehe einer plötzlich den Radius verkleinert. Einen Sekundenbruchteil später fliegt ein federner Klumpen über den Sand. Er nähert sich dem Zaun, ohne dass man eines der beiden auseinanderhalten kann. Ein Meer von verlorenen Federn umgibt die Tiere. Plötzlich spritzt Blut an die Glasscheibe und der Klumpen von Federn verwandelt sich wieder in zwei Hähne. Allerdings steht nur noch einer mehr oder . Der andere liegt blutend am Boden. Der „Kampfrichter“ enthakt die Hähne, die sich mit ihren Rasiermesserkrallen gegenseitig verheddert hatten.

Er hebt sie kurz hoch, bringt ihre Schnäbel miteinander in Berührung, als ob das sie noch einmal anheizen sollte und platziert sie wieder auf dem Sand. Einer der beiden fällt auf der Stelle wieder um, der andere hat auch Probleme sich auf den Beinen zu halten. Also werden sie wieder aufgenommen. Das Spiel wiederholt sich, bis beide mehr oder weniger wieder stehen.

“Unentschieden”

Mit allerletzter Lebenskraft springen sie aufeinander und bleiben nach einer letzen müden Attacke schließlich beide liegen.Zwar versucht der „Kampfrichter“ die Hähne noch einmal zu mobilisieren, allerdings ohne Erfolg. Sobald er sie loslässt, sacken sie leblos wie Puppen zusammen. Einer der Zuschauer erklärt uns, dass wir gerade Zeugen eines selten vorkommenden „Unentschiedens“ geworden sind. Für mich ist unentschieden immer dadurch definiert gewesen,dass es keinen Gewinner, aber auch keinen Verlierer gibt. Mag sein, dass das auf die Männer zutrifft, die Geld gesetzt haben, aber egal wie der Kampf auch ausgeht, die Tiere bleiben dabei wohl immer Verlierer.


Feuerwerk ueber dem Fischlöwen

Dezember 30, 2009

Nach einem wirklich besinnlichen Weihnachtsfest gemeinsam mit unseren spanischen Freunden in Manila brachen Tobi und ich nach Singapur auf, dem 5 Millionen Stadtstaat im Sueden des malayischen Festlandes.

Waehrend wir im Flugzeug sitzen, bekommen wir die Immigrationsdokumente, die jeder Einreisende auszufuellen hat. Darauf findet sich der fett in Rot abgedruckte Hinweis:  “Todesstrafe fuer Drogendealer”. Auch wenn man damit nichts zu tun hat, fuehlt man sich schon einwenig komisch, wenn man dieses Wort aus einer scheinbar laengst vergangenen Zeit ploetzlich vor sich sieht. Auch sonst sind die Gesetze hier sehr radikal. So sind Kaugummis verboten. Nur wenn eine medizinische Rechtfertigung besteht, darf hier auf der Strasse herumgekaut werden. Wer dabei erwischt wird, wie er seine Zigarette oder seinen Muell einfach fallen laesst, kann mit bis zu 10000 Sigapur-Dollarn (5000 Euro) Strafe rechnen. Wer mit seinem Rad eine Fussgaengerunterfuehrung durchquert, wird auch sehr viel Geld los. Ich glaube zwar nicht, dass haertere Strafen automatsiche bessere Menschen hervorbringen, aber zumindest was Sauberkeit angeht, liegen hier Welten zwischen unserer philippinischen Heimat auf Zeit und dem einzigen souveraenen Stadtstaat Suedostasiens. Man sieht kaum Papier oder anderen Abfall herumliegen.

Die ersten Tage hatten Tobi und ich ein Hostel in Chinatown. In Singapur haben die Chinesen einen Bevoelkerungsanteil von ungefaehr 80 Prozent. Dennoch gibt es hier ein Integrationsmodel, das versucht, die verschiedenen Kulturen schon hinsichtlich ihres Wohnraumes zu durchmischen. Deshalb wohnen in den ganzen Bloecken der Stadt zum Beispiel eben 80 Prozent Chinesen. Alle Bevoelkerungsgruppen werden entsprechend ihres Anteil an der Gesamtbevoelkerung verteilt.

Die ersten Tage streiften wir hauptsaechlich durch Chinatown und testeten alle Foodmarkts ausgiebig. Hier kann man fuer 1 Euro richtig gut essen. Aber es gab auch ekelhafte Erlebnisse. Als wir einmal vor dem Suessigkeitenregal in einem Supermarkt standen, roch es auf einmal so gar nicht suess. Ich schaute um die Ecke und konnte nicht glauben, was sich dort in eimem Glaskasten fand.

Da waren 6 Schildkroeten, denen der Panzer entfernt worden war und die gerade elend im “Schaufenster” krepierten. In einem anderen Laden stand aussen dran, dass man nicht fotografieren durfte. Als wir drin waren, wurde uns auch bald klar warum. Greenpeace haette sicher ein gefundenes Fressen, wenn sie sehen wuerden, wie hier mit Tieren umgegangen wird. um etwas von der “heilenden” oder “belebenden” Wirkung zu haben.

Gestern bin ich allein mit meinem Stativ durch den Merlon-Park gezogen und hab mir das Wahrzeichen Singapurs, den Merlon angeschaut. Dabei handelt es sich um einen Fisch mit Loewenkopf, der an den Ursprung der Stadt als kleines Fischerdorf erinnert. Da ich hier keine Moeglichkeit habe, die Fotos zu entwickeln, gibt es die erst im neuen Jahr, wenn ich wieder zurueck in Manila bin.

Tobi und ich werden jetzt noch ein paar Tage auf der Insel verbringen, ehe der Ernst des Studiums weitergeht.

Bis dahin,

Euer Martin der Radlausicker


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