Leipzig – Prag an einem Tag 2014

Titel

Es ist 3:20 Uhr, als ich das erste Mal auf meine Uhr schaue. Ich drehe mich herum, schließe die Augen wieder und… schlafe nicht mehr ein. Nervös beginne ich, erst Schäfchen zu zählen, die über einen Zaun springen, kurz darauf Kettenglieder, die sich durchs Schaltwerk schlängeln. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Vorbei ist die geruhsame Nacht nach nicht einmal vier Stunden. Der Gedanke, dass ich  jetzt mehr als doppelt so Lange im Sattel sitzen werde als ich im Bett gelegen habe, wirkt nicht besonders motivierend.

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Beim Spurwechsel Hand raushalten

GOPR0236_1Mehr zur Prag-Tour im Laufe dieser Woche

 

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Erstes Brevet geschafft

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Mit 30er-Schnitt zügig unterwegs

Die Radlausick-Radsaison 2014 haben Toni und ich am ersten Aprilwochenende eröffnet. Das 200-Kilometer-Brevet war gleichzeitig die erste Veranstaltung in Vorbereitung auf Paris-Brest 2015. Durch Teilnahme an möglichst vielen offiziellen Veranstaltungen der ARA Deutschland wollen wir uns das Ticket für Paris sichern, dessen Teilnehmerfeld begrenzt ist.

Trotz Randgruppendasein fanden sich am frühen Morgen viele Randonneure in Bennewitz bei Wurzen ein. Leider hatten weder Toni noch ich eine Mail mit der genauen Routenbeschreibung im Vorfeld erhalten, so dass uns nur der Ausdruck von einem Mitfahrer blieb, der uns damit aus der Patsche half. Nichtsdestotrotz entschieden wir uns zunächst an eine Gruppe zu hängen, die die Route zu kennen schien.

Das Tempo blieb dabei stets über 30, was wir angesichts des hügeligen Landschaftsprofils als recht sportlich empfanden. Nach der ersten Kontrolle in der Burg Kriebstein entschieden wir uns direkt weiter zu fahren, das Tempo etwas zu drosseln und später eine längere Pause einzulegen. Nach etwa 20 Kilometern fanden wir uns dann jedoch wieder in der uns bekannten Gruppe wieder – bei hoher Trittfrequenz und Tempo über 30. Als wir genau zur Mittagszeit durch Kohren-Salis rollten, klinkten wir uns aus der D-Zug-Gruppe aus. Wir kamen, wie der Zufall es so wollte, direkt vor einem gemütlichen Restaurant am Markt zum Stehen. An dieser Stelle muss man vielleicht noch einmal das Brevet von einem Radrennen unterscheiden. Hier zählt nicht, wer als erster ankommt oder die schnellste Zeit fährt. Ziel ist lediglich die Strecke in der vorgegebenen Zeit zu absolvieren (bei 200km sind das 13,5h) und somit seinen eigenen Schweinehund zu besiegen.

Die meisten Fahrer legten dennoch keine längeren Pausen ein und so sahen wir draußen allmählich das ganze Feld vorüberziehen, während wir bei gut bürgerlicher Küche (a.k.a. Schnitzel und Bier) zu neuen Kräften kamen. Nach gut anderthalb Stunden saßen wir wieder im Sattel. Den Rest der Tour trafen wir nur noch vereinzelt auf andere Teilnehmer. Der Großteil der Fahrer war weit vor uns. Nur auf dem letzten Abschnitt nach Pegau, der hin- und rückzu über die gleiche Straße führte, kam uns unsere Gruppe vom Anfang noch einmal kurz entgegen. Wir schätzten, dass sie zu diesem Zeitpunkt ca. 20km vor uns waren.

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kurze Feinjustage

Als wir 18:30 Uhr wieder in Bennewitz waren, wartete der Organisator Olaf noch mit einem warmen Süppchen auf uns. Besten Dank dafür!

Am Wochenende nach Ostern findet diesmal in Konkurrenz zum LVZ-Fahrradfest die Radlausick-Tour nach „Prag an einem Tag“ statt. Gestartet wird allerdings etwas zeitiger auf einem etwas größeren Kettenblatt.

Der Radlausicker

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Nomade auf Zeit 2009 – jetzt in voller Länge online

Hier etwas, um das Winterloch etwas zu füllen.

Der Film steht jetzt online unter Creative Commons zur freien Verfügung! Es handelt sich um die deutsche Fassung mit englischen Untertiteln.

Viel Spaß beim Anschauen!

Martin

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Leipzig-Dresden-Prag: 300km-Brevet in HD

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Leipzig – Dresden – Prag: 313km an einem Tag

Geschafft

Das Video wird aus rechtlichen Gründen nachgereicht 😉

Wie schon in den Jahren zuvor wurde die Radsaison mit einem Brevet in die tschechische Hauptstadt eröffnet. Aufgrund von Urlaub, Krankheit, Arbeit und Verletzung dezimierte sich die Runde der Teilnehmer auf zwei. Uns war von Anfang an klar, dass die Tour kein Spaziergang werden würde. Zum einen waren die Temperaturen zum Termin nach Ostern bisher nie so niedrig und zum anderen setzten wir uns diesmal erstmalig tatsächlich im Zentrum Leipzigs auf die Sättel, was von vornherein eine Verlängerung der Strecke um min 40km bedeutete.

Zwei Tage vor Tour treffe ich Benedikt das erste Mal, um die Route durchzusprechen. Nach kurzer Überlegung entscheiden wir uns gegen das Erzgebirge, da das Risiko, im Schnee stecken zu bleiben zu groß erscheint. Stattdessen wollen wir lieber die etwas mehr als 300 Kilometer lange Route über Dresden in Kauf nehmen. Doch auch für diesen Weg beschert der Wetterbericht uns wenig Gutes. Die Tageshöchsttemperaturen sollen selbst auf der flacheren Route die 4°c nicht übersteigen.

Am Samstagmorgen gegen 5:15 sitzen wir schließlich im Sattel. Während sich der durchschnittliche Leipziger noch einmal genüßlich im Bett herumdreht (würde ich zu diesem Zeitpunkt ehrlich gesagt auch gern), verlassen wir ,begleitet von leichtem Schneeregen, die Stadt. Während uns die ersten Kilometer das Glühlicht der Straßenlaternen den Weg weist, sind wir auf der Landstraße wieder in absolute Dunkelheit gehüllt. Nur die weißen Lichtstreifen unserer LEDs lassen uns die Straße vor uns erahnen. Als es heller wird, hört der Nieselregen auf. Wärmer wird es allerdings nicht. Um 8:00 Uhr morgens haben wir die Tageshöchsttemperatur bereits erreicht. In Riesa wärmen wir uns bei einem Bäcker etwas auf. Von da an bleiben wir immer an der Elbe bis Usti. Die Route enthält bis dahin nur wenige Steigungen und verläuft an keinen verkehrsreichen Straßen. Erst jetzt folgen wir der stärker befahren Landstraße 30 bis diese in Lovosice auf die Autobahn 8 führt. Von da an fahren wir auf wenig befahrenen Nebenstraßen zur Landstraße 608, die uns entspannt (wären da nicht die 250 bisher gefahrenen Kilometer) und verkehrsarm direkt in Hauptstadt bringt.

Auf der letzten Abfahrt ins Zentrum zu unserem Hostel werden noch einmal alle Muskeln von solidem, tschechischen Kopfsteinpflaster in Kindskopfgröße durchgerüttelt, was eine Massage überflüssig macht. Noch ehe ich darüber erstaunt sein kann, dass wir die Tour erstmals ohne eine Panne überstanden haben, bahnt sich ein kaltes Gambrinus den Weg in meinen Rachen und das schmeckt nach mehr!

Die Radsaison 2013 ist eröffnet!

Die genaue Route für Radfahrer gibt es hier!

 

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Leipzig – Venedig 2012

Nachdem ich im letzten Jahr keine Tour unternehmen konnte, stand für mich fest, dass ich im Sommer 2012 wieder einige Tage auf dem Reiserad verbringen wollte. Das Ziel sollte diesmal jenseits der Alpen an der Adria liegen. Hier gibt es einige Auszüge aus meinem diesmal recht sparsam geführtem Reisetagebuch über eine Transalp, die eigentlich keine war.

Tag Start Route Tageskilometer Fahrzeit Schnitt in km/h
1 Leipzig Borna – Altenburg – Lengenfeld – Falkenstein – Muldenberg 159 07:42:00 20,6
2 Muldenberg 187 09:08:00 20,4
3 Schwandorf Burglengenfeld – Regensburg – Saal a. d. Donau – Altenkirchen 170 07:41:00 22
4 Langenbach Erding – Dorfing – Wasserburg 100 04:40:00 21,5
5 Schechen am Inn entlang des Inns 130 05:38:00 23,1
6 Volders Alte Salzstraße – Brennerstraße – Sterzing 101 05:11:00 19,5
7 Brixen auf Etschtalradweg – Trento – Roverento – Riva del Garda 170,3 07:20:00 23,2
8 Gardasee Ruhetag 30 01:37:00 18,4
9 Torri del Benaco Ruhetag
10 Torri del Benaco Padua 212,2 09:20:00 22,7
11 Montegrotte Terme Dolo – Fusina 49,3 02:18:00 21,4

Tag 4

Nach einem schönen Zwischenstopp in Langenbach bei der Verwandtschaft startete ich nach einem 5-Sterne-Frühstück zunächst Richtung Erding und danach weiter nach Dorfen. Da die Route über Bad Kraiburg ein größerer Umweg gewesen wäre und die B15 bis dahin fast durchgehend mit Radwegen versehen war, beschloss ich, direkt nach Wasserburg am Inn zu fahren. Den Inn-Radweg habe ich dort allerdings nicht finden können und fuhr schließlich wieder auf der Bundesstraße weiter. 15 Kilometer vor Rosenheim endete die heutige Etappe auf einem großen Zeltplatz an einem See.

Tag 6

Der heutige Sonntag war der „abwechslungsreichste“ der Tour bisher. Unter dem Groll eines Donners wurde ich aus dem Schlaf gerissen. Bevor ich realisierte, dass es sich wirklich um ein aufziehendes Gewitter handelte, wurde mein Verdacht durch den einsetzenden Regen auf eine sehr dominierende Weise bestätigt. Ohne das Zelt zu verlassen, packte ich alles soweit es ging in die Taschen. Das tat ich intuitiv in der stillen Hoffnung auf eine baldige Wetterbesserung. Zumindest der Regen ließ zwischenzeitlich nach und ich konnte zu meiner großen Bergetappe aufbrechen. Zunächst radelte ich noch einige Kilometer am Inn entlang Richtung Innsbruck, ehe ich den Fluss bei Hall verließ. Von dort folgte ich dem Alten Römerweg (Salzstraße) auf östlicher Talseite Richtung Brennerpass. Immer wieder musste ich die Fahrt wegen des durchziehenden Gewitters unterbrechen.

Nach etwa einer Stunde Bergauffahrt, durchnässt von einer Mischung aus Regen und kaltem Schweiß, erreichten mich die ersten Sonnenstrahlen dieses Tages, die sich plötzlich einen Wege durch die kleinen Löcher in der Wolkendecke bahnten. Das Panorama über die sattgrünen Wiesen und die gewaltigen Felsmassive im Hintergrund war atemberaubend. Hätte ich heute morgen nur eine Sekunde an meinem Vorhaben gezweifelt und mir selbst die Frage nach dem Sinn einer solchen Tour gestellt, hier bekam die deutliche Antwort. Es folgte ein längere, Abfahrt, auf der ich alle bisher mühsam erkämpften Höhenmeter verpuffen sah. Letztendlich erreichte ich in Matrei wieder die Bundesstraße auf der westlichen Talseite. Da diese für LKWs gesperrt ist und parallel zur Autobahn verläuft, war sie nicht sehr stark frequentiert. Allerdings ist der Pass an sich nicht wirklich dieser Bezeichnung würdig. Sicher mit meinem 40-Kilo-Rad und der 105er-Übersetzung hätte es nicht viel bergiger sein dürfen, aber was die Steigungen angeht, habe ich im Erzgebirge gemeineres erlebt. Lediglich das letzte Stück am Brennersee hatte es in sich, Der Brenner als Höhepunkt des Passes ist keineswegs ein solcher auf dieser Etappe. Meine Füße habe ich schön in den Klickern gelassen und bin an der Shoppingstraße einfach nur schnell vorbeigerollt. Auf italienischer Seite führt ein super asphaltierter Radweg direkt nach Sterzing. Von da folgte ich dem Eisacktalradweg bis Brixen.

Tag 7

Die 170 Kilometer gestern haben am Abend ihre Wirkung gezeigt. Kaum geduscht, habe ich es gerade so geschafft, eine warme Suppe im Zelt zu schlürfen, ehe ich gegen um 8 eingeschlafen bin. Zur relativ flachen Etappe muss ich sagen, dass es mir selbst nach 150 Kilometern nicht sonderlich schwer gefallen ist, den kleinen „Pass“ zumGardasee zu überqueren. Ich hätte gern mal den direkten Vergleich zum ersten Tag, aber ich fühle mich deutlich spritziger. Nur meine Hände bereiten mir etwas Probleme. In der rechten fühle ich meine Fingerspitzen kaum noch und auch in der linken setzt zunehmend Taubheit ein. Meine Lenkerposition ist offenbar zu niedrig und für Langstrecken ungeeignet. Ein neuer Vorbau könnte das Problem wohl lösen.

Aber zurück zur Reise Heute lasse ich es sehr entspannt angehen. Tagesziel ist es, am Gardasee zu bleiben. Ich suche mir nur einen Zeltplatz weiter südlich, wo ich hoffentlich nicht so einen Hundeplatz wie letzte Nacht bekomme. Ende Juli ist der Gardasee von Touristen in Massen belagert.

Tag 10

Der heutige Tag war ein einziger Kampf gegen die staubige Trockenheit, die industrielle Tristesse und nicht zuletzt gegen mich selbst. Diese vorletzte Etappe war die landschaftlich hässlichste. Bei Temperaturen jenseits der 30°c- Marke und stehender Luft brannte mir der eigene Schweiß im Gesicht. Der einzige Trost war ein laut BikeLine– Karte in Padua befindlicher Zeltplatz, den ich als Tagesziel anpeilte. Als ich dann dort erschöpft ankam, erwartete mich da nichts, außer der Erkenntnis, dass auch Radkarten ihre Tücken haben. Gedankenversunken fuhr in Richtung Zentrum. Ein genaues Ziel verfolgte ich nicht. An einer roten Ampel sprach mich eine freundliche Stimme von der Seite an. Ein junger Italiener namens Giacomo bat mir aus dem Auto heraus seine Hilfe an. Er, seinerseits Tourenradfahrer, suchte mit seinem Telefon nach möglichen Zeltplätzen rund um Padua und telefonierte sogar für mich herum. Am Ende hatte ich zwei Adressen und das Angebot, im Notfall bei ihm zu übernachten! Voller neuer Kraft trat ich mit der Adresse in der Hand wieder in die Pedale. Allerdings war mir nicht bewusst, dass das Auffinden des Zeltplatzes ein echtes Problem darstellen würde. Nach einer abendlichen Irrfahrt erreichte ich mit Einbruch der Dunkelheit schließlich mein Nachtlager. Nicht nur der Akku meines Telefons war vollkommen leer. Beim Blick auf dem Tacho wusste ich, warum: „212 Tageskilometer“, stand auf dem kleinen Display.

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