Wie man sein Fahrrad fit fürs Flugzeug macht

verpupptes Rad

Immer wieder, wenn wir von unseren Radtouren erzählen, ist eine der ersten Fragen: „Kann man Fahrräder einfach so im Flugzeug mitnehmen?“ Bei der vorschnellen Antwort beschränkte ich mich immer auf ein kurzes „Ja!“ Vorschnell deswegen, weil es dann doch nicht immer so einfach war. Vom Anschlagsverdacht bis zum Selbstverladen der Räder haben wir schon alles erlebt. Hier ein kleiner Erfahrungsbericht über verschiedene Methoden, sein Gefährt wieder heil heim zu bringen.

Variante 1: Der Karton

Das erste Mal, dass ich mein Fahrrad in einem Flugzeug transportieren musste, war 2006, als ich von Montpellier nach Berlin flog. Den Flug hatte ich bei meiner Ankunft am Mittelmeer noch nicht gebucht, da ich nicht wusste, wie weit ich fahren würde. So fuhr ich kurzerhand zum Flughafen und buchte bei Air France. Das Anmelden eines Fahrrades war gar kein Problem. Auch der Preis war mit 176€ (inkl. Rad) im Rahmen. Auf Nachfragen konnte ich noch einen Radkarton kaufen. In den packte ich das Fahrrad am Abreisetag. Stabiles Paketband hatte ich glücklicherweise in einem Baumarkt gekauft. Sonst wäre das Verpacken etwas schwierig gewesen. Aber auch so war eine ganze Menge Geschicklichkeit erforderlich, das Rad allein in das große Paket zu bekommen und anschließend stabil zuzukleben. Dafür sollte man immer genug Zeit einplanen. Alles in allem war das in zwei Stunden stressfrei zu schaffen.

drum

Als ich bei der Landung in Deutschland einen Blick auf die Gepäckentladung erhaschen konnte, blutete mit das Auge schon ein wenig. Mit ordentlich Schwung und wenig Überlegung wurde mein Rad von einem Gepäckentladefachmann auf den Gepäckwagen geworfen (Das ist keine Übertreibung!) Zu meiner Verwunderung erhielt das Rad auch nicht an der Ausgabe für Sperrgepäck zurück, sondern fand es zwischen Koffern und Reisetaschen auf dem Fließband, wo es  aufgrund seiner Ausmaße natürlich auch noch den ein oder anderen Stoß abbekam. Es war auch sehr angenehm, den schweren, sperrigen Karton vom vorbeifahrenden Band zu zerren. Zwischen dicht gedrängt stehenden  Menschen, die entnervt Luft ausstießen, anstatt mal ein Stück Platz frei zu geben.

Glücklicherweise hatte ich einen Trekkinglenker, der meine Schalthebel vor Stößen schützte. Lediglich mein Sattel war etwas lädiert. Außerdem war der Karton von irgendeiner schmierigen Flüssigkeit durchgeweicht und verformt, hatte aber das Fahrrad vor größeren Schäden bewahrt.

Variante 2: Die Knallfolie

2007 in Spanien ging fuhren wir einige Tage vor unserem Abflug mit der naiven Vorstellung an den Flughafen, es würde genauso einfach funktionieren wie in Frankreich. Ganz schön optimistisch im Nachhinein. Denn bereits in Malaga, wo wir uns nach Zugtickets und Fahrradmitnahme erkundigen wollten, flogen uns nicht nur Blicke entgegen, die so etwas aussagten wie „Seid ihr total bescheuert“. Nein! Wir wurden auch noch von der Security herausbegleitet, die auf alle unsere Fragen nur eine Antwort kannten: „It´s not possible with bike!“

Jedenfalls gab es am Flughafen von Malaga keine Kartons und wir mussten uns etwas anderes überlegen. Circa.einen Kilometer vom Flughafen gab es einen Baumarkt. Dort kauften  wir uns jeder eine 12-Meter-Rolle-Knallfolie und zwei Rollen Gaffatape. Bei örtlichen Radhändlern hätten wir uns sicher auch einen Karton kaufen können, aber wie bekommt man den dann zum Flughafen?

Außerdem hatten wir Hoffnung, dass wenn die netten Gepäckverladefacharbeiter sehen würden, dass es sich um ein Fahrrad handelt, es auch wie eines behandeln würden. Am Flughafen stellten wir dann den Lenker quer, schraubten die Pedalen ab, fixierten die Räder mit Kabelbinder und begannen diese mit der Folie zu umwickeln und verpuppten so nach und nach das ganze Rad. Das fertige Packet ließ sich viel besser anfassen als so ein klumpiger Karton. Bei der Gepäckaufgabe wurden zunächst unsere Radtaschen eingecheckt und anschließend rief die nette junge Dame die Leute von der Sondergepäckabteilung an und wir brachten unsere Räder zu ihnen. Die wollten wissen, ob wir von unseren Rädern die Luft gelassen hatten. Hatten wir natürlich nicht! War in Frankreich auch nicht notwendig gewesen und ist auch eine absolut sinnlose Angelegenheit, weil jedes Deo im Gepäckladeraum viel eher hochgeht als ein bis 8 bar ausgelegter Schwalbe Marathon, der nur etwas mehr als halben Druck drauf hat.

halb verpuppt

Einige denken jetzt vielleicht, warum regt der sich so auf. Ist doch kein Problem! Luft raus und gut! Aber, wenn man dicke Schichten von Knallfolie über den Rädern zentimeterweise mit seinen Fingern durchbohren muss, um nach Ventilen zu tasten, hat man schon eine Menge Spaß. Werkzeug war ja schon aufgegeben. Und auf die Frage nach einer Schere wurde einer von den Flughafenangestellten auch noch pampig und meinte sogar, dass er nicht mit einem Flugzeug mitfliegen wolle, wo potentielle Bomben in Form von aufgepumpten Fahrradreifen schlummerten. 🙂  Zu seinem Unverständnis zauberte er uns damit ein Lächeln aufs Gesicht. Da hatten wir wieder gute Laune, während wir weiter mit unseren Fingern in der Knallfolie bohrten.

Diesmal sah ich nicht, wie unsere Fahrräder verladen wurden. Allerdings konnten wir sie diesmal wirklich beim Sperrgepäck abholen und sie waren absolut unversehrt.

Fazit: Knallfolie rules!

Variante 2.1 (Upgrade von Variante 2): Die Knallfolie mit optischem Reiz

Im letzten Jahr flogen wir von Glasgow aus nach Berlin. Da unser Flug am Morgen ging, fuhren wir schon am Vorabend zum Flughafen. Wir waren auchb diesmal in einem Baumarkt gewesen. Aber was es nicht gab, war Knallfolie! Nur eine kleine Rolle war nochübrig, mit der man hätte die Bremshebel schützen können.

Das einzige, was am ehesten der Knallfolie nahekam, war ein Gewächshausset, inklusive irgendwelcher Lufteinlässe, die den Preis natürlich hochtrieben. Aber es blieb uns keine Alternative und wir hatten die „Gewächshäuser“ für unsere Fahrräder gekauft. Nachdem die Räder verpuppt waren, hatten wir noch eine Nacht Zeit bis unser Flug ging. Mit zwei Flaschen Energykonzentrat in der Blutbahn habe ich die ganze Zeit kein Auge zugetan. Ich war so munter, dass ich halb 4 angefangen habe, Feuilleton zu lesen. Aber auch das half nichts und irgendwann erblickte ich die leicht bekleidete Becky auf einem Stück Zeitungspapier vor mir. Da kam mir eine Idee, die sich im Nachhinein als echter Geistesblitz offenbarte. Säuberlich heraiusgerissen klebten wir Becky auf Dikts Rad. Bereits in der Wartehalle hatte sämtliches Flughafenpersonal einen großen Spaß an der nackten Haut auf dem ungewöhnlichen Gepäckstück.

Becky - safety first

Dann konnte es bei den Gepäck-verlade-Facharbeitern doch auch nicht anders sein. Auch die Luft hatten wir diesmal vorbildlich herunter gelassen.

Beim Check-In kam es dann doch etwas anders. Als wir an der Reihe waren, wurde uns mitgeteilt, dass wir mit dem Sperrgepäck doch in die andere Halle mussten. Und nein, wir konnten nicht schon mal unsere normalen Taschen abgeben. Also marschierten wir mit Becky und dem ganzen Rest quer über den Flughafen und stellten uns so ziemlich am absolut entgegengesetzt paltzierten Schalter an. Als wir dort abermals an der Reihe waren checkten wir unser Gepäck ein. Dass die Fahrräder auch nicht auf das Gepäckband für übergroße Gepäckstücke passen würde, war auf den ersten Blick offensichtlich. Dennoch beharrte die Dame darauf, dass ewir die Räder drauflegen sollten.

Nachdem auch sie sich von der Unmöglichkeit des Unterfangens überzeugt hatte, telefonierte sie kurz, bevor sie uns mitteilte, wir müssten wieder in die andere Halle (die aus der wir gerade gekommen waren!) Als wir dort warteten, kam nach einer Viertelstunde ein Herr. Der wohl um unsere Räder kümmern sollte. Er beschloss, dass wir das am besten gleich selbt erledigen solltenund öffnete uns die Tür, die uns in den flughafeninternen Verladebereich brachte. Dort übergaben wir höchstpersönlich Becky und Co den beiden zuständigen Gepäck-verlade-Facharbeitern, die für die nackte Haut wie zu erwarten auch nur ein Grinsen übrig hatten. Becky hat ihren Job zu unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt. Unsere Räder kammen ohne jeglich Beschädigung in Berlin an.

Im nachhinein tut es mir auch etwas leid, dass unsere gute kleine Helferin noch am Flughafen lieblos den Weg ins Altpaper fand…Becky r.i.p.

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6 Antworten zu Wie man sein Fahrrad fit fürs Flugzeug macht

  1. Der andere RadLausicker schreibt:

    „Im nachhinein tut es mir auch etwas leid, dass unsere gute kleine Helferin noch am Flughafen lieblos den Weg ins Altpaper fand…Becky r.i.p.“

    …deine Großmutter war’s! So schnell konnt ich gar nicht reagieren, da hatte sie Becky schon im Papierkorb versenkt.

  2. radlausicker schreibt:

    Hab gerade vom Bulgaria Air Callcenter erfahren, dass die zwar keinen Aufpreis für Fahrräder verlangen, aber dennoch nur 20 kg zur Verfügung stehen (+10kg Handgepäck). Jetzt heißt es erstmal Räder und Ausrüstung grob zusammenstellen und wiegen, denn 1kg Übergepäck kostet 7€!!!

  3. Bike Blogger schreibt:

    Danke für die ausführliche Anleitung. Ich möchte im nächsten Jahr von Istanbul zurück nach Deutschland. Die Tipps sind da echt hilfreich.

  4. Koffein schreibt:

    Soviel Mühe…Wow hut ab ! Ich wollte auch mal mein Rad mitnehmen, habe aber dann kurzfristig meine Meinung geändert!
    Interresanter Artikel danke!

  5. E-Bike crasher schreibt:

    Na, da habe ich ja noch etwas vor mir. Will mit meinen beiden E-Bikes inkl. meiner Tochter von Basel nach Nizza. Bezüglich der Akkus hiess es erst ich solle die mit dem Aufgabegebäck aufgeben. Nach mehrmaligem Nachfragen, weil ich diese Auskunft sehr merkwürdig fand, hiess es schliesslich ich müsste sie mit dem Handgebäck mitnehmen und das sei kein Problem. Also E-Bike Akkus sind vergleichbar mit Labtop-Akkus nur einfach noch etwas grösser.

  6. E-Bike crasherin schreibt:

    Ich flog nun also mit easyjet von Basel nach Nizza. Die E-Bikes sind angekommen aber kaputt. Neue Sattelstange für Euro 30 und am zweiten Velo Lichtkabel gerissen, Reparatur Euro 30. Wir hatten die Fahrräder nicht wie verlangt im Karton verpackt sondern mit Karton das Hinterrad geschützt und teilweise mit Knallfolie. Die easyjet Mitarbeiterin wollte die Fahrräder erst garnicht akzeptieren sondern verlangte, dass wir sie in die Kartons verpacken würden à Euro 13.- das Stück. Diese waren aber zu klein. Es fehlten jeweils ca. 40 cm in der Länge. Die easyjet-M. meinte wir sollen zwei für jedes Fahrrad nehmen, was ich verweigerte. Die Fahrräder gingen dann auf eigene Verantwortung mit und der Angst, diese würden erst gar nicht verladen.

    Mein Fazit: Fahrräder immer so verpacken wie verlangt. Bei der Gepäckaufbewahrung am Flughafen in Nizza kann man Fahrradkartons kaufen. Ob die gross genug sind weiss ich nicht. Kartons im Fahrradladen organisieren und dann damit zum Flughafen ist praktisch unmöglich, wegen der Sperrigkeit. Am besten bringt man die Fahrräder am Abend vor dem Flug zum Flughafen und checkt ob der Karton der dort verkauft wird passt. Karton kosten zwischen 13 u. 20 Euro.

    Die Akkus waren kein Problem. Wir hatten die im Handgepäck und mussten sie nicht mal daraus heraus nehmen.

    Aber Velofahren in Nizza ist toll. Besser als Auto und ein E-Bike ist sowieso das beste Transportmittel. Die Bikes kann man übrigens auch in die Züge mitnehmen, gratis. Nicht in alle.

    Schöne Ferien wo auch immer ihr seit oder hingeht.

    E-Bike crasherin

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