Donautour Teil 1 – Eine Zugfahrt die ist lustig…

Normalerweise wollte ich dieses Kapitel außenvor lassen, da es nichts mit der eigentlichen Tour zu tun hat. Aber dann fand ich es doch zu prägnant, um es einfach fallen zu lassen.

Es ist der Morgen des 1. Septembers als ich die letzten Spanngurte über die Taschen ziehe und Gina, so der Name des Stahlrosses, die Kellertreppe hochhieve. Die Sonne scheint und es sieht nach einem warmen Tag aus. Zu schade eigentlich, dass wir seinen größten Teil in Zügen verbringen werden. Aber wir haben uns nun Mal die Quelle der Donau als Startpunkt unserer Tour ausgewählt. Mit uns meine ich Manu und mich. Zu zweit wollen wir die ca. 3000 Kilometer gen Osten gemeinsam mit dem nach der Wolga zweitlängsten Fluss Europas bewältigen.

Viele Fragen drehten sich in meinem Kopf. Passt die Chemie zwischen uns? Halten wir es 4 Wochen zusammengepfercht aus? Wie gut kann man die osteuropäischen Straßen mit dem Fahrrad befahren? Was für Menschen werden wir treffen? Sind wir auf alles vorbereitet? Nur eine Frage stellte ich nicht. Die Frage, ob die Tour erfolgreich verlaufen würde. Zwar war es genau das , was uns von vielen Freunden gewünscht worden war, aber was will man uns sonst mit auf den Weg geben? Nur was bedeutet Erfolg schon bei einem Abenteuer, und als solches haben wir Tour von Anfang an begriffen. Uns war absolut bewusst, dass das kein 4-wöchiger Campingurlaub werden würde. Eine solche Naivität wäre schon in der ersten Nacht bestraft worden, wie sich noch zeigen sollte.

Am Leipziger Hauptbahnhof traf ich auf Manu und meine Schwester. Nachdem wir uns verabschiedet hatten, starteten wir unserer erste Tagesetappe auf Schienen. Das „Quer durch Deutschland“ -Ticket bot zwar eine günstige, aber leider auch eine sehr langwierige Möglichkeit zur Donauquelle zu gelangen. Da wir im wahrsten Sinne des Wortes quer durchs Land mussten, war das mit zahlreichen Umstiegen verbunden. Der Zug von Zwickau nach Hof war proppevoll. Leider sind nur die Abteile klimatisiert, nicht die Bereiche dazwischen, in denen sich immer die Fahrradplätze befinden. Bei schöner Sonneneinstrahlung durchs Fenster entwickelt sich da schnell ein angenehmes Klima. Idealerweise befinden sich in diesen Bereichen auch immer die Toiletten, deren Schiebetüren sich bei jedem Bremsen wie von Geisterhand öffnen. Und Regionalzüge halten wirklich sehr oft. So hatten wir schon bald eine Luftgemisch aus Schweiß und Klostein, dass sich auch in der Stimmung einiger Fahrgäste niederschlug. Menschen schoben sich aneinander vorbei und maulten sich an, wenn sie sich vom anderen in ihrer Bewegungsfreiheit tangiert fühlten.

Das Ganze gipfelte darin, dass die Fahrgäste aus den Abteilen sich bereits eine Viertelstunde vor der Ankunft in Hof ihre Polposition für den Ausstieg sichern wollten und aus den Abteilen drängten, bis die Gänge vollends zugestopft waren und ich mir allmehlig wirklich wie eine Wiener im Glas im vorkam. Eine älterer Herr, der den Andrang auf die Ausgänge verpasst hatte, nutze die clever die Gunst der Stunde und drängte sich etwas ungestüm und mit missfälligen Bemerkungen anderer Fahrgäste bedacht durch die Reihen. Als er direkt auf sein plumpes Verhalten angesprochen wurde und aufgefordert wurde, sich wie alle anderen hinten einzureihen, entfuhr es aus ihm in ungeheurer Lautstärke: „Ich muss mal aufs Klo!“ Manu und ich schauten uns an und wir mussten unweigerlich loslachen. Ob Erich Kästner seinen Vergleich von Erwachsenen und Kindern auf solche Ausprägungen beziehen wollte?

Einige Stunden und erheiternde Ereignisse dieser Art später kamen wir gegen 21 Uhr in Donaueschingen an. Es war bereits dunkel als wir vor dem Bahnhof den Stadtplan nach der Donauquelle absuchten. Während es den ganze Tag blauen Himmel gegeben hatte, begann nun ein leichter Nieselregen, der binnen Sekunden zu einem kleinen Schauer heranwuchs. Wir stellten uns kurz unter und packten die Stirnlampen aus. Als der Regen etwas nachgelassen hatte, blickten wir kurz auf den Kompass und fuhren los. Leider wurde der Regen nicht weniger und wir entschieden uns lieber schnellst möglich einen Schlafplatz zu suchen. Während wir in eine gut gepflegte Parkanlage fuhren wurde die Landschaft aller paar Sekunden taghell beleuchtet. Es blitzte und donnerte ununterbrochen und das Wasser floss jetzt in Strömen. Während wir an einer alten Scheune vorbeifuhren sah ich im Blitzlicht eine kleine Hütte am Wegesrand. Ich kehrte um und fuhr hin. Erst als meine Kopflampe das innere ausleuchtete, erkannte ich, dass wir hier zu spät waren. Ein Obdachloser hatte sie schon besetzt. Also fuhren wir weiter. Das Gewitter war jetzt offensichtlich genau über uns. Wir bogen in einen kleinen Weg ab, der aber in ein sehr sumpfiges Unterholz führte. Da konnten wir kein Zelt aufschlagen, schon gar nicht bei dem Regen.

Schließlich fanden wir einen Wohnmobilstellplatz und waren schon fast dabei, unser Zelt daneben aufzubauen als ich wieder im Blitzlicht ein großes Überdachtes Rondell erblickte – mitten auf einer Weide. Tatsächlich fanden wir dort unsere trockenen 10 Quadratmeter mitten in dem Unwetter. Wir bracuhten nicht einmal ein Zelt aufzubauen. Während wir unsere Matten auf dem Holzboden ausrollten, ließ auch der Regen nach. Wir erlebten den ersten Härtefall also schon vor der eigentlichen Tour – was sollte da auf uns zukommen? Erschöpft von diesem ersten kleinen Kraftakt schliefen wir bald ein.

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