Ausflug in die verlassene Bucht

Wie lebt es sich ohne fließendes Wasser und Strom aus der Dose? Am letzten Wochenende entflohen wir erneut der Megametropole Manila in Richtung Norden, um genau das zu erleben.

zu den Fotoimpressionen der Tour

Zunächst nahmen wir einen Bus von Manila (Cubao) in Richtung Angeles. Den„Reiseleiter“ spielte diesmal unser Kumpel Roy alias Ron. Als Einheimischer wusste er bestens bescheid und unsere 11-köpfige Truppe konnte sich ihm vollkommen anvertrauen. In Angeles, dem ersten Zwischenstop, besuchten wir nach natürlich den berühmten Rotlichtbezirk. So etwas habe ich mein Leben noch nicht gesehen.

Nach einschlägigen Aufforderungen netter Mädels zum Verweilen, entschieden wir uns für „Antlantis“ – einen ziemlich beliebten Nachtclub. Unglaublich – als wir den Schuppen betraten, kam ich mir vor wie in einem riesigen Zirkus. Nur dass in der Manege keine Zauberer, Artistern oder Tiere umherliefen, sondern leicht bekleidetete mit Nummern versehene Mädchen tanzten. Wir bekamen eine Platz auf einem Balkon zugewiesen und beobachteten das zwiespältige Treiben. Einigen der Frauen stand ihre Minderjährigkeit förmlich ins Gesicht geschrieben. Unter den Gästen waren viele weiße Grauköpfe, die sich die jungen Mädels an den Tisch bestellten. Dazu holte die Kellnerin einen Laserpointer aus der Tasche und leuchtete das entsprechende Girl an. Das wusste dann sofort bescheid, wohin es musste.

Auf dem Sofa neben uns vergnügte sich ein alter Mann mit einem jungen Ding. Als ich hinüber schaute streifte ich den Blick des Mädels und entdeckte in den Augen etwas, das sagte: „Ich hab mir das hier nicht rausgesucht! Ich brauche einfach das Geld.“ Irgendwie ist es schon ganz schön ekelhaft, wie sich die „Reichen“ hier ausleben. So warf eine Gruppe von Gästen den tanzenden Mädels in der Manege Geldscheine zu. Es entbrannte ein regelrechter Kampf um das Geld, gleich einem Schwarm Tauben, den man ein paar Brotstücke zuwirft. Ein absolut überhebliches Auftreten!

Gegen halb zwei verließen wir die die Kneipenmeile, besorgten uns in einem Supermarkt Proviant für die einsame Bucht und nahmen ein Jeepney zurück zum Busbahnhof. Als wir dort warteten, probierten Anja und Joseph Balut frisch von einem der vielen Stände. Dabei handelt es sich um etwas, das wie ein normales Frühstücksei aussieht. Allerdings ist es nicht von einer Henne, sondern von einer Ente und enthält bereits den Vogelembryo. Es gibt keinen besseren Snack um diese Zeit!

Als wir auf unseren Bus warteten,wurden wir sehr bald von den Kindern umringt, die an der Haltestelle Müll sammelten. Es war nachts halb 3 und die Kinder waren zwischen sieben und und 10.Ihr Bett bestand aus einem Pappkarton, denn sie mit sich herumtrugen.Und dennoch waren sie voller Lebenslust und sehr liebenswert. Sie sind die Veranschaulichung einer Statistik,die besagt, dass fünf Prozent der Filipinos 80% des Landesvermögens besitzen.Ohne Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung bleibt ihnen der der soziale Aufstieg wohl verwehrt.

Nachdem wir uns von den Kids verabschiedet hatten, nahmen wir einen Kleinbus nach ….Nach ungefähr 90 weiteren Fahrtminuten eingepfercht zwischen den eigenen Rucksäcken, heizten wir über die philippinischen Landstraßen. Als wir San Antonio erreichten, war es noch stockdunkel. Dennoch wurden wir, kaum ausgestiegen, schon von einem Dutzennd Einheimischen umringt, die interessiert abwarteten, was passiert. An den Ständen dampften schon wieder oder immer noch die Baluteier und andere kulinarische Köstlichkeiten. Roy sprach kurz mit einigen Einheimischen und wenig später befanden wir elf Leute uns verteilt auf vier Tricycles wieder und fuhren durch Dörfer der Dämmerung und der Küste entgegen. Nach 15 Minuten standen wir im absoluten Nirgenwo am Meer. Es war 5:30 Uhr am Morgen. An der Hütte, an der wir hielten, spielten zwei Jungs Billiard. Ich frage mich mittlerweile, ob Filipinos überhaupt schlafen?

Während wir am Strand auf unser Boot warteten, erhob sich die Sonne hinter den Hügeln. Etwa eine Stunde Bootsfahrt entlang der bergigen Küste später erreichten wir die Bucht, in der wir die nächsten 30 Stunden verbringen würden. Das türkisfarbene Wasser war so flach, dass wir das Boot schon 100 Meter vom Strand verlassen mussten. Die Familie, die an dem Strand hauste, an dem wir anlegten, nahm uns sofort sehr freundlich auf. Sie lebten in einfachen Hütten aus Holz und Stroh. Das Trinkwasser pumpten sie aus dem Boden. Elektrizität gab es keine. Die Toilette war ein umzäuntes Loch. Darin befand sich auch die Dusche.

Ankunft in der einsamen Bucht

Wir schmissen uns als erstes in das Wasser, dass fast Badewannentemperatur hatte. Für eine kleine Abkühlung mussten wir schon ein paar hundert Meter weit rauslaufen! Ja, laufen, denn es war absolut flach! Den ganzen Vormittag über holten wir den ausgelassenen Schlaf der Nacht nach.Dabei wanderte die Sonne aber auch in den ein oder anderen ursprünglich schattigen Schattenplatz, was mir einen schönen Sonnenbrand einbrachte.

Am späten Nachmittag sammelten wir etwas Holz fürs Lagerfeuer. Unsere „Gastgeber“ hatten für uns einige prächtige Fische gefangen. Dazu gab es dann (was sonst?) Reis. Selbst Tobi, der unter normalen Umständen eher anfangen würde Holz zu essen als in ein Tier aus dem Meer zu beißen, aß davon! Und ich bin mir sicher, es schmeckte ihm! Die Nacht verbrachten wir dann am Lagerfeuer und stillten unseren Durst mit unterschiedlichen Destillaten (Wasser war schließlich kostbar und musste gespart werden! ;-).

Group Picture

Zu später Stunde ging`s dann zum Nach(k)t- Baden ins Meer. Wer sich dabei im Schutz der Dunkelheit wiegte, erlebte unter Wasser dann aber ein faszinierendes Schauspiel. Bei jeder Bewegung der Gliedmaßen im schwarzen Südchinesischen Meer, erleuchtenden hunderte kleiner Sterne im Wasser. Bei kurzem Innehalten verschwanden sie dann jedoch genau so schnell wieder. Wir vermuteten Plankton dahinter. Das hat sich mittlerweile bestätigt. Es handelte sich um kleine einzellige Planktonarten, die Biolumineszenz erzeugen. Der Sinn dahinter ist wohl der, dass wenn Fressfeinde des Planktons in der Nähe sind, die Einzeller zu leuchten beginnen und damit Fische anlocken,die wiederum Fressfeinde der Fressfeinde des Planktons sind. Alles klar!?

Studieren ist in erster Linie Lernen 😉

Am nächsten Morgen wachte ich dann mit üblen Kreuzschmerzen in einer Hängematte auf. Meine Wirbelsäule hatte wohl über Nacht ihre Form angenommen. Den ganzen Vormittag verbrachte wir in erster Linie mit Rumliegen. Im Anschluss daran wanderten wir noch 15 Minuten zu einem Bergbach. Dort konnten wir uns endlich im nur lauwarmen Wasser ein wenig abkühlen und nebenbei ein wenig über die Steine klettern. Nach dem Mittagessen (Reis spielte wieder eine Hauptrolle) brachen wir dann wieder in Richtung Zivilisation auf. Die Bootsfahrt gestaltete sich angesichts des Wellengangs und dem Gezeche am Vorabend noch einmal als kleine Herausforderung.

Wieder festen Boden unter den Füßen ging es erneut mit dem Tricycle zur Bushaltestelle in San Antonio. Nachdem Roy hier irgendeinen Bus anhielt, fuhren wir dann im Stehen bis – ich weiß nicht wohin – während uns die Klimaanlage zumindest temperaturmäßig nach Europa versetzte. Wie auf jeder Busfahrt lief auch hier wieder ein Gemetzel-Film nach dem anderen. Kurz nach 21:00 Uhr waren hat uns die City wieder. Gern wäre ich noch eine Weile auf der Insel geblieben, aber davon gibt es ja hier noch ein paar, die alle entdeckt werden wollen.

zu den Fotoimpressionen der Tour


Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Philippinen 2009 / 2010 abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s