Leipzig – Prag an einem Tag 2014

Titel

Es ist 3:20 Uhr, als ich das erste Mal auf meine Uhr schaue. Ich drehe mich herum, schließe die Augen wieder und… schlafe nicht mehr ein. Nervös beginne ich, erst Schäfchen zu zählen, die über einen Zaun springen, kurz darauf Kettenglieder, die sich durchs Schaltwerk schlängeln. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Vorbei ist die geruhsame Nacht nach nicht einmal vier Stunden. Der Gedanke, dass ich  jetzt mehr als doppelt so Lange im Sattel sitzen werde als ich im Bett gelegen habe, wirkt nicht besonders motivierend.

Die Tatsache, dass ich nicht allein damit sei allerdings schon! Ich greife nach meinem Wecker und schaltet ihn ab, bevor er die Chance hat einen einzigen Pieps von sich zu geben. Heute brauche ich den nicht – das schafft allein das Adrenalin. In der Küche treffe ich Toni, der bereits gestern bei mir eingereist ist. Nach einem kurzen ballasstoffreichen Frühstück holen wir Erik ab und brechen zum Treffpunkt Völkerschlachtdenkmal auf. Obwohl es stockfinster ist , zwitschern die Vögel um 5:00 Uhr wie wild. Gemeinsam mit Lars und Benedikt setzt sich der Radlausicker Kreisel Richtung Südost in Bewegung. Die Temperaturen sind ausgesprochen mild, wobei die Tour vom letzten Jahr bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht als Referenz dienen kann 😉 Vorbei am Störmthaler See hüllt uns teilweise dichter Nebel ein. Die Temperaturen sind hier auf einmal spürbar niedriger als zu Beginn in der Stadt. Aber am Horizont vor uns erhebt sich langsam die Sonne und wirft uns erste lauwarme Strahlen ins Gesicht.

In Bad Lausick, dem Startpunkt der ersten Pragtouren, treffen wir Alex, einen Kollegen von Erik, der dieses Jahr das erste Mal dabei ist und unsere Gruppe auf 12 Waden aufstockt. Über Geithain, Wechselburg und das Chemnitztal erreichen wir recht bald Chemnitz. Nach einer etwas sehr lang geratenen Pause zwischen Bäcker und Fahrradladen (wir wollten spontan ein paar kleinere Reparaturen durchführen, wie sich das für eine ordentliche Radtour eben gehört), brachen wir halbverrichteter Dinge nach anderthalb Stunden auf. Alle waren durch ein ausgiebiges Frühstück gestärkt, aber keine Schraube an einem Fahrrad war bewegt worden, weil der Laden nicht geöffnet hat. Hinter Chemnitz kurbeln wir uns bald kontinuierlich das Erzgebirge hinauf. Blöderweise landen wir einmal in einer nicht ausgeschilderten Baustelle und müssen die Räder über eine Bahnbrücke übersetzen. Ein anderes Mal nehmen wir den falschen Abzweig, der uns gut 10 Kilometer an zusätzlicher Strecke einbringt.  Aber sonst hat das ganze ja keinen Trainingseffekt!

Notiz an mich selbst: 53-39/13-26 ist keine adäquate Übersetzung fürs Gebirge!

Bei Kilometer 130 erreichen wir den mit 850 Metern höchsten Punkt der Tour. Nach einer kurzen Rast an der Grenze stürzen wir uns auf tschechischer Seite hinab nach Chomutov. Dabei wird auch die Überholspur genutzt, weil wir nicht mit 50 hinter einem LKW hinterher schleichen wollen. Berauscht von der Geschwindigkeit verpassen wir die Abfahrt in die Stadt und verrennen uns in der Suche nach einer geeigneten Versorgungsstation, was wieder viel Zeit kostet und letztlich leider nicht von Erfolg ist. Wir finden zwar eine kleine Dorfkneipe, allerdings gibt es dort nur Getränke für uns, obwohl der Grill angefeuert ist! Dennoch nutzen wir die Chance zur Regeneration bei alkoholfreiem Radler und mitgebrachten Köstlichkeit wie Bemme mit Käse oder Waffel mit Marmelade oder eben einfach nur Wurscht!

Die letzten 100 Kilometer sparen sich ihre Schwierigkeiten bis zum Schluss auf. Als wir 30 Kilometer vor Prag die Hauptstraße wieder verlassen (sie wird dort zur Autobahn), geht es über kleine Dorfstraßen weiter. Eigentlich kein großes Problem, da wir schon oft dort lang gefahren sind und Strecke mittlerweile fast auswendig kennen. Aber eben nur fast und so wird aus „geradeaus“ im Gedächtnis eben mal „rechts herum“ und schon hat man sich 10 Kilometer dazuverdient. Im Prinzip nicht viel, aber in dem Fall beinahe der berüchtigte Tropfen. Glücklicherweise taucht alsbald ein erstes Ortsschild der tschechischen Hauptstadt auf. Da macht es nichts, dass es von dem noch einmal gute 15 Kilometer bis zum Wenzelsplatz sind.

Angesichts der etwas lang geratenen Frühstückspause in Chemnitz, der ungünstigen Suche nach einer Mittagspause und ca. 20 Kilometer durch Verfahrer schaffen wir es erst zur Dämmerung in Prag zu sein. Das Bier schmeckt trotzdem! Dank Thomas und Tim können wir die Räder direkt am Wenzelsplatz in dem Transporter auf die Heimreise schicken, während wir erst einmal im Hostel einchecken.

Das Video folgt in den nächsten Tagen und den Teil von dem Zug nach Leipzig, den wir in allerletzter Sekunde erreichen, enthalte ich euch mal vor, denn nicht jede Geschichte ist dazu da, um niedergeschrieben zu werden.

Euer Radlausicker

Hier findet ihr die Route (inkl. Höhenprofil) zum Nachfahren.

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